Wirkstoffgehalte und Preise von Ecstasy, Kokain, Speed und Cannabis

Zurück Vor

3. Speed – Amphetamin und Methamphetamin

Speed (Amphetamin, Methamphetamin) wird als Analeptikum (erfrischendes, belebendes, anregendes Mittel) bezeichnet. Der Begriff Analeptikum ist von dem griechischen Begriff Analeptikon (erfri­schend, kräftigend, stärkend) abgeleitet. Speed, auch Pep oder Peppen genannt, gehört zur Stoffklasse der β-Phenylalkylamine (β-Phenethylamine). Der heute gebräuchliche Name "Amphetamin" ist eine Zusammenziehung der veralteten chemischen Bezeichnung Alpha-Methylphenethylamin.

 

Graphik 12: Amphetaminsulfatgehalt von Proben in Straßenqualität
Angaben in Prozent – Zeitreihe von 2012 bis 2024 für Deutschland, die Schweiz und die Niederlande


Durchschnittliche Wirkstoffgehalte (Amphetaminsulfat) in als Amphetamin deklarierte Proben in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden – Zeitreihe 2012 bis 2024. Die DBDD und das Trimbos Instituut in den Niederlanden geben die Daten in Prozent betreffend Anteil Amphetamin-Base bekannt. Hier wurden sie für die Vergleichbarkeit in Anteile der üblichen Handelsform Amphetaminsulfat umgerechnet.
Datenquellen: DBDD, Safer Party, Trimbos Instituut.

In Deutschland lag der Wirkstoffgehalt von Speed (Amphetaminsulfat) im Jahr 2024 bei 16 Prozent, in der Schweiz bei 68 Prozent und in den Niederlanden bei 72 Prozent. In den Niederlanden und in der Schweiz ist derzeit der Wirkstoffgehalt von Speed in Straßenqualität mehr als viermal so groß wie in Deutschland. In Deutschland ist Speed die dreckigste – am meisten gestreckte – Droge, die auf dem Schwarzmarkt erhältlich ist. 22 *

Obwohl Amphetamin auf dem Schwarzmarkt in Deutschland meistens sehr stark mit Streckmitteln versetzt ist, nahm die Zahl der Konsumenten in den letzten Jahren deutlich zu. Gemäß Jahresbericht der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD), Workbook Drogen, zeigt sich über den Zeitraum der letzten 25 Jahre bei Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 59 Jahren ein insgesamt ansteigender Trend des Amphetaminkonsums (12-Monats-Prävalenz) von 0,4 Prozent im Jahr 1990 auf 1,4 Prozent im Jahr 2021. Der Konsum von Amphetamin hat in den letzten 25 Jahren um mehr als das Dreifache zugenommen. Zum Vergleich: Der Kokainkonsum ist im selben Zeitraum von 0,3 Prozent auf 1,6 Prozent gestiegen, hat sich also verfünffacht. In Bezug auf Ecstasy war zwischen den Jahren 1995 und 2012 zunächst ein Rückgang von 0,8 Prozent auf 0,4 Prozent zu beobachten. Bis zum Jahr 2021 stieg die Prävalenz wieder auf 1,2 Prozent an. Für alle drei Substanzen (Amphetamin, Kokain und Ecstasy) sind dies die höchsten Prävalenzwerte seit 1990. 23 *

Bei etwa der Hälfte der Personen, die Speed innerhalb der letzten zwölf Monaten vor Befragungen konsumiert haben, beschränkt sich der Konsum auf maximal fünf Konsumgelegenheiten in diesem Zeitraum. Hier handelt es sich um Gelegenheitskonsumenten. Einen häufigen Konsum von mindestens hundert Gelegenheiten innerhalb der letzten zwölf Monaten gaben weniger als ein Fünftel der Amphetaminkonsumierenden an.

 

 

3.1. Wirkstoffgehalte in analysierten Proben

Weit über zehn Jahre lag der Amphetamingehalt in analysierten Proben von auf dem Schwarzmarkt in Deutschland stammenden Speed nahezu kontinuierlich zwischen fünf und zehn Prozent. Ab dem Jahr 2012 setzte dann ein Aufwärtstrend ein, wie auf der folgenden Grafik zu sehen ist.

 

Graphik 13: Durchschnittliche Wirkstoffgehalte in als Amphetamin deklarierten Proben
Anteil Amphetaminsulfat in Prozent - Zeitreihe 1996 bis 2024 für Deutschland - 2007 bis 2024 für die Schweiz


Die Grafik zeigt als Zeitreihe den jährlichen durchschnittlichen Wirkstoffgehalt in als Amphetamin deklarierten Proben. Die blaue Linie zeigt die Entwicklung in Deutschland von 1996 bis 2024. Die rote Linie zeigt die Entwicklung in der Schweiz von 2007 bis 2024. In den Berichten der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) werden die Werte die Reinheitsgrade als Base berechnet angegeben. Im Handel wird üblicherweise Amphetamin in Form von Amphetaminsulfat angeboten. Hier sind die Reinheitsgrade in Sulfatform angegeben. Der durch­schnittliche Wirkstoffgehalt in Deutschland lag im Jahr 2024 bei 16 Prozent Amphetaminsulfat, in der Schweiz bei 68 Prozent.
Datenquellen: DBDD, Safer Party Zürich.

Der Amphetamingehalt der analysierten Proben variierte stark. Neben den bekannten Nebenwirkungen stellen die stark variierenden Wirkstoffgehalte, die Syntheseverunreinigungen und die Streckmittel ein Gesundheitsrisiko dar. Es ist optisch nicht erkennbar, wie hoch der effektive Amphetamingehalt der jeweiligen Probe ist und deshalb besteht die Gefahr einer Überdosierung. Dies gilt insbesondere für Konsumenten aus Deutschland, die in der Schweiz oder den Niederlanden Urlaub machen, da sie es aufgrund des niedri­gen Wirkstoffgehaltes in Deutschland gewohnt sind, richtig fette Linien zu legen.

 

 

3.2. Amphetaminpreise in Deutschland

Die Preise für Speed (Amphetamin) pendelten in den letzten zwanzig Jahren im Straßenhandel in Deutschland zwischen 9,50 Euro und 14,20 Euro. Im Jahr 2024 kostete ein Gramm Speed in Straßenqualität in Deutschland durchschnittlich 10,10 Euro, 30 Cent mehr als im Vorjahr. In den Niederlanden kostet ein Gramm Speed durchschnittlich 8,50 Euro – günstiger als in Deutschland bei wesentlich besserer Qualität.

 

Graphik 14: Amphetaminpreise pro Gramm in Straßenqualität in Deutschland
Zeitreihe 2005 bis 2024 – Preise in Euro für Speed in Straßenqualität


Amphetaminpreise im Straßenhandel in Deutschland – Zeitreihe der Preise in Euro pro Gramm von 2005 bis 2024.
Datenquelle: DBDD: Jahresberichte, Drogenmärkte und Kriminalität.

Bei der Betrachtung der oben stehenden Grafik kann man sehen, dass die Preise von Amphetamin in Straßenhandel in Deutschland in den Jahren von 2005 bis 2018 durchschnittlich bei etwa 12,30 Euro lagen und die Ausschläge nach unten und oben nie größer als zwei Euro waren. Erst im Jahr 2019 wurde diese Preisspanne unterschritten. Man konnte lange Zeit so den Eindruck gewinnen, dass die Preise relativ stabil seien. Betrachtet man jedoch die Preise, die für den effektiven Amphetamingehalt bezahlt werden, so zeigt es sich, dass die Preise ganz erheblichen Schwankungen unterworfen waren. Der durchschnittliche Preis schwankte hier in den letzten Jahren bis 2014 extrem stark und lag stets über 100 Euro, ab 2015 stets unter 100 Euro. Im Jahr 2024 lag dieser Preis bei 85,59 Euro und lag somit wesentlich tiefer als vor einem Dutzend Jahren – etwa doppelt so tief. 24 *

In Deutschland kostete 2024 ein Gramm Speed in Straßenqualität mit durchschnittlich 11,8 Prozent Wirkstoffgehalt (berechnet als Base) im Schnitt 10,10 Euro. Somit kostete ein Gramm des reinen Wirkstoffs Amphetamin in Deutschland etwa 86 Euro. In den Niederlanden kostete ein Gramm Speed in Straßenqualität 8,50 Euro mit durchschnittlich 53 Prozent Wirkstoffgehalt (berechnet als Base), was einem Preis von etwa 16 Euro für ein Gramm reines Amphetamin entspricht. Ampheta­min, also der reine Wirkstoff, ist in Deutschland auf dem Schwarzmarkt somit mehr als fünfmal so teuer wie in den Niederlanden.

Eine Übersicht über die Preisentwicklung pro Gramm für den eigentlichen Wirkstoff Amphetamin (berechnet als Base) als Zeitreihe von 2005 bis 2024 ist in der folgenden Grafik ersichtlich.

 

Graphik 15: Amphetaminpreise bezogen auf den effektiven Wirkstoffgehalt (als Base berechnet)
Preise in Euro bezogen auf den Straßenhandel in Deutschland – Zeitreihe 2005 bis 2024


Übersicht über die Entwicklung der Preise pro Gramm für den eigentlichen Wirkstoff Amphetamin (berechnet als Base und ohne die beigefügten Streckmittel) als Zeitreihe von 2005 bis 2024.
Datenquelle: DBDD: Jahresberichte, Drogenmärkte und Kriminalität und eigene Berechnungen.

Was den Schwarzmarkt mit Amphetamin anbelangt, so stellt das Bundeskriminalamt (BKA) im Bundeslagebild Rauschgift 2024 fest, dass 73,4 Prozent der Tatverdächtigen im Zusammenhang mit sogenannten "Rauschgift-Handelsdelikten" mit Amphetamin deutsche Staatsangehörige waren. Der Reinheitsgrad berechnet als Base der angebotenen Ware betrug 2024 gerade einmal 11,8 Prozent. Der Schwarzmarkt mit Kokain wird von Ausländern dominiert, mit einem Anteil von 56,9 Prozent der Tatverdächtigen. Der Reinheitsgrad berechnet als Base der angebotenen Ware im Straßenhandel betrug 77,2 Prozent. Und der Preis pro Gramm für den eigentlichen Wirkstoff Kokain (ohne die beigefügten Streckmittel) lag im Jahr 2024 bei 92,60 Euro, analoger Preis für Amphetamin: 85,59 Euro. Bezogen auf den Wirkstoff­gehalt war Kokain nur 8,2 Prozent teurer als Amphetamin. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. 25 *

 

 

 

4. Methamphetamin – Qualität und Preise

Methamphetamin (Crystal) ist im Straßenhandel weit weniger gestreckt als Amphetamin. 2024 lag der durchschnittliche Wirkstoffgehalt bei 79,6 Prozent als Base berechnet, somit lag er für die übliche Konsumform (Methamphetamin-Hydrochlorid, Methamphetamin-HCl) bei 99,1 Prozent (100 mg Methamphetamin-Base entsprecchen 124,5 mg Methamphetamin-HCl). Beim "Ziehen" einer zu fetten Linie Methamphetamin kann es sehr leicht zu unangenehmen und manchmal auch gefährlichen Überdosierungen kommen, da Methamphetamin schon in kleineren Dosierungen viel stärker und auch viel länger als Amphetamin (in weit größeren Dosierungen) wirkt. Methamphetamin ist etwa fünfmal so wirkungsintensiv wie Amphetamin. 26 *

In Deutschland war Methamphetamin bis 1988 unter dem Markennamen Pervitin als Fertigarznei­mittel in Apotheken erhältlich, wobei die Dosis pro Tablette bei 3 Milligramm lag. Sogenannte Thai­pillen enthalten oft die zehnfache Wirkstoffdosis einer Pervitin-Tablette. Bis zum 1. März 2008 waren sowohl Amphetamin als auch Methamphetamin in Deutschland verschreibungsfähige Betäubungsmit­tel (Anlage III BtMG). Aufgrund der 21. Betäubungsmittelrechts-Änderungsverordnung (21. BtM­ÄndV) vom 18. Februar 2008 (in Kraft getreten am 1. März 2008) ist Methamphetamin durch Umstu­fung von Anlage III (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Stoffe) in Anlage II (verkehrsfähige, aber nicht verschreibungsfähige Stoffe) zu § 1 BtMG heute in Deutschland nicht mehr verschreibungs­fähig, Amphetamin ist demgegenüber nach wie vor verschreibungsfähig.

Methamphetamin kostete 2024 in Deutschland im Straßenhandel durchschnittlich 62,30 Euro, im Jahr 2014 lag der Preis bei durchschnittlich 90,70 Euro. Methamphetamin ist auf dem Schwarzmarkt im letzten Jahrzehnt in Deutschland merklich billiger geworden, der Reinheitsgrad hat dabei gegenüber den Vorjahren nicht abgenommen.

Da die sogenannten geringen Mengen als Base definiert sind, sind die Werte als Base für Juristen von Bedeutung, für die Konsumenten sind die Werte als Hydrochlorid relevant, da die Methamphetamin in den allermeisten Fällen für den Kon­sum als Hydrochlorid angeboten werden.

 

 

Zurück Inhalt Vor
22
Schneider, F., Karachaliou, K. & Neumeier, E. (2025). Bericht 2025 des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EUDA (Datenjahr 2024/2025). Deutschland, Workbook Drogenmärkte und Kriminalität. Deutsche Beobachtungs­stelle für Drogen und Drogensucht DBDD. IFT Institut für Therapieforschung, München.
https://www.dbdd.de/publikationen/jahresbericht-situation-illegaler-drogen-in-deutschland

BKA: Rauschgiftjahresberichte
https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Lagebilder/Rauschgiftkriminalitaet/rauschgiftkriminalitaet_node.html

Safer Party: Amphetamin Auswertung 2024
https://www.saferparty.ch/blog/amphetamin-auswertung-2024

Trimbos-instituut: Nationale Drug Monitor 2024 –> Amphetamin –> Angebot und Markt
https://www.nationaledrugmonitor.nl/amfetamine-aanbod-en-markt/
23
DBDD: Workbook Drogen 2024
https://www.dbdd.de/publikationen/jahresbericht-situation-illegaler-drogen-in-deutschland
24
Schneider, F., Karachaliou, K. & Neumeier, E. (2025). Bericht 2025 des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EUDA (Datenjahr 2024/2025). Deutschland, Workbook Drogenmärkte und Kriminalität. Deutsche Beobachtungs­stelle für Drogen und Drogensucht DBDD. IFT Institut für Therapieforschung, München.
https://www.dbdd.de/publikationen/jahresbericht-situation-illegaler-drogen-in-deutschland

BKA: Rauschgiftjahresberichte
https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Lagebilder/Rauschgiftkriminalitaet/rauschgiftkriminalitaet_node.html
25
BKA: Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität 2024
https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/statistikenlagebilder_node.html
26
Schneider, F., Karachaliou, K. & Neumeier, E. (2025). Bericht 2025 des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EUDA (Datenjahr 2024/2025). Deutschland, Workbook Drogenmärkte und Kriminalität. Deutsche Beobachtungs­stelle für Drogen und Drogensucht DBDD. IFT Institut für Therapieforschung, München.
https://www.dbdd.de/publikationen/jahresbericht-situation-illegaler-drogen-in-deutschland

BKA: Rauschgiftjahresberichte
https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Lagebilder/Rauschgiftkriminalitaet/rauschgiftkriminalitaet_node.html