DrogenGenussKultur |
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Wirkstoffgehalte und Preise von Ecstasy, Kokain, Speed und Cannabis |
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5. CannabisDie Wirkstoffgehalte werden in Deutschland für jede Cannabiszubereitung (Kraut, Blüten und Haschisch) getrennt erfasst und jährlich ausgewertet und im Dezember des Folgejahres veröffentlicht. Die Bestimmung des THC-Gehalts erfolgt auf der Basis der Beschlagnahmungen von Tausenden von Proben Marihuana, Blütenständen und Haschischharz durch die Labore von Bundeskriminalamt, Landeskriminalämter und Zollbehörden. Bei den gemeldeten Wirkstoffgehalten wird das bei thermischer Belastung zusätzlich entstehende Tetrahydrocannabinol (THC) mit berücksichtigt.
5.1. Wirkstoffgehalte in CannabiszubereitungenDer Wirkstoffgehalt (THC-Gehalt) von Haschisch war während langer Zeit relativ konstant respektive bewegte sich in einer relativen engen Bandbreite zwischen 6,7 Prozent und 8,4 Prozent. Im Jahr 1997 – seit diesem Jahr werden die Statistiken für Cannabiszubereitungen veröffentlicht – lag der durchschnittliche THC-Gehalt von Haschisch in Deutschland bei 7,2 Prozent, im Jahr 2006 lag dieser bei 6,7 Prozent und bewegte sich bis 2011 in enger Bandbreite um die 7 Prozent. In den folgenden Jahren stieg der THC-Gehalt von Haschisch in Deutschland nahezu kontinuierlich an. Im Jahr 2023 war dieser mit 26,6 Prozent fast viermal so hoch wie im Jahr 2006. Dies entspricht einer Zunahme des THC-Gehaltes in Haschischproben von knapp 400 Prozent innerhalb von siebzehn Jahren. Diese äußerst massive Zunahme des THC-Gehaltes in untersuchten Haschischproben ist durch den Anbau neu gezüchteter Sorten von Cannabis in Marokko begünstigt worden. Etwa 30 Prozent aller untersuchten Proben von Haschisch wiesen 2023 einen Wirkstoffgehalt von über 30 Prozent THC auf. Seit dem Jahr 2006 werden die THC-Gehalte von Kraut und Blütenstände separat in den Statistiken aufgelistet. Von Interesse sind hier die Blütenstände, da diese
vornehmlich zu Entspannungs- und zu Rauschzwecken genutzt werden. Im Schnitt enthielten die Blüten im Jahr 2006 ein THC-Gehalt von 10,6 Prozent. Im Jahr 2024 enthielten diese nach
einer langsamen kontinuierlichen Zunahme in den letzten Jahren ohne Berücksichtigung des CBD-reichen Blütenmaterials 14,8 Prozent. Die Dynamik der stetigen Steigerung des THC-Gehaltes
ist in den letzten Jahren bei Haschisch viel stärker ausgeprägt als bei Marihuana. Bis zum Jahr 2014 enthielten die Blütenstände deutlich mehr THC als Haschisch, im Jahr 2015 waren die
THC-Gehalte etwa auf gleichem Niveau und in den Folgejahren waren die THC-Gehalte von Haschisch immer und zunehmend höher als die von Marihuana. Im Jahr 2024 machte der Unterschied 11,8
Prozentpunkte aus. 27 Die grüne Linie in der folgenden Grafik zeigt den durchschnittlichen Wirkstoffgehalt von Marihuana. Der Ausreißer nach oben im Jahr 2004 ist vorwiegend auf einer Veränderung der statistischen Methode zurückzuführen, die in den Jahren 2004 bis 2006 stattfand. In die Berechnung des Wirkstoffgehalts von Marihuana fließen ab dem Jahr 2006 (teilweise schon ab dem Jahr 2004) die Werte von Cannabiskraut und Blütenständen im Verhältnis zur jeweiligen Anzahl der Proben ein. Von 2004 (10,8 Prozent) bis 2007 (7,4 Prozent) sank der mittlere THC-Gehalt im Marihuana kontinuierlich. Zwischen 2007 und 2008 gab es allerdings keine Veränderung, in den folgenden zwei Jahren wurde eine leicht Erhöhung festgestellt. Ab dem Jahr 2011 wurden nur noch die Werte von Blüten und Kraut mitgeteilt. Seit dem Jahr 2006 – also vor zwei Jahrzehnten – stieg der THC-Gehalt der untersuchten Blüten um etwa 40 Prozent, der des THC-Gehaltes bei Haschisch um knapp 300 Prozent.
Graphik 16: THC-Gehalt von Haschisch und Marihuana in Deutschland
Das Trimbos Institut untersucht jedes Jahr den THC-Gehalt des in den niederländischen Coffeeshops verkauften Cannabis. Hierzu werden 50 zufällig ausgewählte
Coffeeshops besucht und deren Umsatz durch diese Kaufaktion gesteigert. Getestet werden die jeweils stärksten und populärsten Sorten niederländischen Grases wie auch Gras aus dem
Ausland (Importware) und von Haschisch aus dem In- und Ausland. Dann werden aus diesen Werten Durchschnittswerte ermittelt. Im Jahr 2025 lag der durchschnittliche Gehalt an THC der
populärsten Cannabissorten mit 15,6 Prozent etwa im Mittelfeld der letzten zehn Jahre. Im Jahre 2004 erreichte der Wert einen Höchststand von 20,4 Prozent. Im Jahr 2025 lag somit der
durchschnittliche THC-Gehalt der populärsten Cannabissorten in den Niederlanden um etwa einem Viertel tiefer als im Jahr 2004. Die Zahlen gelten für das sogenannte "Nederwiet".
Der Name "Nederwiet" ist abgeleitet von dem niederländischen Wort "Nederland" und dem niederländischen Wort "wiet", was soviel heißt
wie Gras (engl. weed). 28 Durch das vermehrte Auftauchen von Blüten mit hohem CBD-Gehalt und sehr niedrigem THC-Gehalt (CBD-Gras) müssen die statistischen Methoden geändert werden. Dies geschah bereits vor paar Jahren in der Schweiz, dann 2022 in Deutschland und 2023 in den Niederlanden. Somit sind die aktuellen Werte der Untersuchungen in den Niederlanden nur bedingt mit mit denen der Vorjahre vergleichbar. Das beliebteste niederländische Cannabis "Nederwiet" enthielt enthielt im Jahr 2025 durchschnittlich 15,6 Prozent THC, das stärkste niederländische Cannabis, das als solches in den Coffeeshops verkauft wurde, enthielt durchschnittlich 17,4 Prozent THC – es wurde kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden niederländischen Cannabiskategorien festgestellt. Importiertes Cannabis hat einen deutlich geringeren THC-Gehalt: Im Durchschnitt enthielt Importgras 5,6 Prozent THC. Niederländisches Haschisch (durchschnittlich 23,7 Prozent) und importiertes Haschisch (23,0 Prozent) unterschieden sich hinsichtlich des THC-Gehalts nicht wesentlich. Der höchste Einzelwert bei niederländischem Haschisch im Jahr 2025 lag bei 29,1 Prozent THC-Gehalt und bei importiertem Haschisch bei 40,6 Prozent. In der folgenden Grafik ist Entwicklung des THC-Gehaltes als Zeitreihe von 2000 bis 2025 für niederländisches Gras (Nederwiet), importiertes Gras, niederländisches Haschisch und importiertes Haschisch dargestellt. Da nur wenige Coffeeshops niederländisches Haschisch zum Verkauf anbieten, ist die Zahl der untersuchten Proben viel kleiner als beim Nederwiet, was Ursache der großen Schwankungen des THC-Gehaltes beim niederländischen Haschisch in einigen Jahren ist.
Graphik 17: THC-Gehalt von Gras und Haschisch in den Niederlanden
Die Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) gab von 2005 bis 2024 jährlich eine Statistik heraus über die THC-Gehalte diverser Cannabisprodukte. In
der Schweiz ist der THC-Gehalt von Haschischproben seit Jahren deutlich höher als jener von den Marihuana. Durch das massive Auftauchen von CBD-Haschisch mussten die Kriterien für die
Statistik geändert werden. Die Werte der Jahre 2020 und 2021 in der folgenden Grafik für Haschisch sind grobe Schätzungen ohne Berücksichtigung von CBD-Haschisch und stammen nicht von
der SGRM. Bei den Werten ab 2022 handelt es sich in der Folge nach der durchgeführten Absonderung der CBD-Haschisch-Proben wieder um Werte der SGRM. 30
Graphik 18: THC-Gehalte von Cannabisblüten und Haschisch in der Schweiz
In der Schweiz wurden in letzter Zeit vermehrt Daten zum THC-Gehalt in Cannabisblüten und Haschisch veröffentlicht. Im Januar 2026 wurde der Bericht "Analyse der THC-Gehalte, Preise und Kaufart von Cannabis auf dem Schwarzmarkt im Kanton Waadt" ("Analyse des taux de THC, des prix et des modalités d’achat du cannabis sur le marché noir dans le canton de Vaud") mit zahlreichen Daten publik gemacht. Die Datenquellen sind Analysen von Polizeibeschlagnahmungen und Ergebnisse im Zusammenhang mir den Maßnahmen CannCheck und Drug-Checking in Lausanne. Die beiden Maßnahmen CannCheck und Drug-Checking ermöglichen die Analyse der Zusammensetzung von auf dem illegalen Markt erworbenem Cannabis. Die Analysen werden vor Ort durchgeführt unter Verwendung der NIR-Analysetechnik. Im besagten Bericht sind die Daten von vom im Kanton Waadt beschlagnahmten 1003 Blütenproben und 715 Haschischproben aus den Jahren 2019 bis 2025 enthalten sowie 142
Blütenproben und 206 Haschischproben vom Drug-Checking-Programm in Lausanne aus den Jahren 2022 bis 2025 und 44 Blütenproben und 15 Haschischproben vom Projekt CannaCheck aus den Jahren
2024 und 2025. 31 In der Publikation "Cannabis – Bewertung der getesteten Substanzen im Drogeninformationszentrum Zürich im Jahr 2024" sind Daten für die Jahre 2021
bis 2024 veröffentlicht worden. Die jeweilige Anzahl der Blütenproben war in 2021 (n=313), 2022 (n=231), 2023 (n=283), 2024 (n=230) und der Haschischproben in 2021 (n=98), 2022 (n=107),
2023 (n=89) und 2024 (n=138). 32
Graphik 19: THC-Gehalt Blüten (gelb) und THC-Gehalt Haschisch (orange)
5.2. Sinsemilla – Pflanzen ohne SamenDas meiste Cannabis, das auf der Welt produziert und konsumiert wird, ist Marihuana (mexikanisches Spanisch), in Indien und in der Karibik Ganja genannt, in den USA Weed genannt (was nichts anderes heißt als Unkraut) und hierzulande spricht man von Gras. Marihuana besteht aus den getrockneten Blüten der weiblichen Cannabispflanze, da die männlichen Pflanzen viel weniger THC enthalten. Da weibliche Cannabispflanzen am meisten nachgefragt werden, um Marihuana zu produzieren, und da reguläre Cannabissamen ungefähr 50 Prozent männliche und 50 Prozent weibliche Pflanzen produzieren, kreuzten in den frühen 1970er Jahren qualifizierte nordamerikanische und europäische Erzeuger mexikanische Cannabispflanzen mit Pflanzen aus Kolumbien, Jamaika, Thailand und Indien und begannen mit der Produktion von Sinsemilla-Pflanzen (samenlos auf Spanisch), indem sie alle männlichen Pflanzen von ihren Feldern entfernten und nur die unbefruchteten (daher samenlosen) weiblichen Pflanzen zurück ließen. Der Anbau von Sinsemilla-Pflanzen markierte den Beginn eines langen und komplexen Modernisierungsprozesses in der Cannabisindustrie, der die Schaffung des ersten modernen Cannabishybrids, des Skunk, beinhaltete. Samenloses Cannabis wurde in den neunziger Jahren noch häufiger, als die Verwendung von Stecklingen auf breiter Ebene eingeführt wurde und es den Züchtern ermöglichte, nur weibliche Pflanzen durch Klone zu produzieren. Das Klonen hat den Anbau von Cannabis radikal verändert, indem es Sinsemilla-Anbau für Hobbygärtner praktisch überall auf der Welt möglich und rentabel machte. Die Verfügbarkeit von kernlosem Marihuana stieg nach 1999 weiter an, als es der selektiven Zucht (in den Niederlanden) gelang, "rein weibliche" Cannabis-Samen zu produzieren, die mehr als 95 Prozent weibliche Pflanzen hervorbringen und die Herstellung von samenlosem Cannabis erleichterten, sofern der Anbau außerhalb der Reichweite von männlichen Pollen in der Luft erfolgte. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Cannabisanbau zu einem wirklich globalen Phänomen entwickelt. Der Indoor-Anbau moderner potenter Hybriden ist nun überall auf der Welt sowohl drinnen als auch draußen möglich, auch außerhalb günstiger klimatischer Bedingungen, solange ein zuverlässiges Stromnetz zur Verfügung steht.
5.3. Haschisch – ein Kulturgut mit langer TraditionDas traditionsreichste Cannabisprodukt in Europa ist Haschisch (Arabischen für Gras) oder Cannabisharz genannt: eine mehr oder weniger biegsame pastöse Substanz (je nach Zubereitung und Umgebungstemperatur), die durch Komprimieren der Trichome (THC-haltige Drüsenhaare) aus den Blüten der weiblichen Cannabispflanze erhalten wird. Haschisch kann durch zwei unterschiedliche Verfahren hergestellt werden. In Marokko oder auch im Libanon werden die Harzdrüsen der Cannabisblütenstände nach der Ernte und Trocknung der Pflanze durch ein Dresch- und Siebverfahren gesammelt. Die Blütenteile die unter dem ersten und feinsten Sieb gesammelt werden ergeben dann das Haschisch der besten Qualität. Die feinen stark von Harz duchsetzten Teile werden dann einfach gepresst. Das zweite Sieb ist dann gröber und ergibt die zweitbeste Qualität, u.s.w. Es ist möglich, dass die Technik ursprünglich aus Afghanistan importiert wurde, wo auch heute noch gesiebtes Haschisch produziert wird. In Afghanistan wird das gesiebte Harz jedoch – anders als in Marokko und im Libanon – mehrmals erhitzt und geknetet, bevor es gepresst und von Hand gewalzt wird. Dieser Prozess wird heute manchmal maschinell durchgeführt. Die andere Technik, die nur in einigen Teilen Asiens angewendet wird, ist das Reiben mit der Hand: Sie ist weitaus weniger technisch als das Sieben. Sie besteht darin, die Blütenstände zwischen den Handflächen und den Fingern hin und her zu reiben, bis sich das Harz auf der Haut ansammelt. Das Harz wird dann mit den Fingern von der Haut abgekrazt und zu einer Kugel geknetet. Das so hergestellte Produkt wird Charas genannt. Ein solcher Prozess findet nur in Indien (mit Ausnahme von Kaschmir, wo gesiebtes Haschisch erzeugt wird) und Nepal statt.
5.4. Tetrahydrocannabinol (THC) – Cannabidiol (CBD)THC ist das bekannteste Cannabinoid. THC ist vor allem für die psychoaktive Wirkung verantwortlich, es stimuliert Teile des Gehirns, was die Freisetzung von Dopamin verursacht – was wiederum ein Gefühl der Euphorie und des Wohlbefindens bewirkt. THC hat auch eine analgetische Wirkung, es lindert die Symptome von Schmerzen und Entzündungen. THC verursacht ein großartiges Gefühl der Entspannung. CBD ist ein kaum bis gar nicht psychotrop wirkendes Cannabinoid, das die Wirkungen von THC reduziert und reguliert. Je größer der CBD-Anteil im Vergleich zum
THC-Anteil ist, desto klarer bleibt man nach dem Konsum im Kopf. Beim Konsum von Hanfprodukten (Haschisch, Marihuana) bewirkt ein hoher CBD-Anteil und ein entsprechend niedriger
THC-Anteil eine eher sedierende, ein niedriger CBD-Anteil und ein hoher THC-Anteil eine eher anregende Wirkung. Das Verhältnis von THC zu CBD, die THC-CBD-Ratio, gibt auskunft über die
protektive Wirkung des CBD. Je größer dieser Wert ist, desto kleiner ist die protektive Wirkung des CBD. 33 Ein Faktor, der das Auftreten einer Psychose unter Cannabis beeinflussen kann, ist der Gehalt an THC und dem antipsychotischen CBD. Je weniger THC in Relation zum CBD-Gehalt in den Cannabisblüten enthalten ist, desto geringer erscheint die Wahrscheinlichkeit, dass durch den Konsum dieser Blüten eine Psychose ausgelöst wird. Diese Relation wird durch die THC-CBD-Ratio gekennzeichnet. Haschisch aus Marokko enthielt kurz vor der Jahrtausendwende im Schnitt ein THC-Gehalt von etwa 8 Prozent und ein CBD-Gehalt von etwa 4 Prozent. Zu dieser Zeit
hatte die THC-CBD-Ratio den Wert 2. Im Jahr 2016 hatte Haschisch aus Marokko im Schnitt ein THC-Gehalt von 23 Prozent und ein CBD-Gehalt von 4 Prozent. Die THC-CBD-Ratio war 2016 etwa
zweieinhalb mal so groß wie vor der Jahrtausendwende und hatte den Wert von etwa 5,5. Im Vergleich dazu hat traditionelles Haschisch aus dem Libanon eine THC-CBD-Ratio zwischen 0,5
und 0,8, da libanesisches Haschisch mehr CBD als THC enthält. 34 Von auf den europäischen Märkten gefundenen Haschischsorten wurde berichtet, dass sie signifikante Mengen Cannabidiol (CBD) enthalten, ein nicht-berauschendes
Cannabinoid, das THC-Schäden ausgleichen kann und somit eine protektive Wirkung aufweist. Traditionelle Harzherstellungsverfahren umfassen oft eine Mischung aus drei Pflanzenchemotypen
(THC-dominant, CBD-dominant, THC und CBD), die in den traditionellen Kulturen wie dem marokkanischen "Kif" zu finden sind. Da THC und CBD aus einem gemeinsamen Vorläufer
synthetisiert werden, kann die Mischung von Chemotypen, die in traditionelle Haschischherstellungsverfahren verwendet werden, zu bescheidenen THC-Konzentrationen mit ausgeglichenen
(etwa gleichen) CBD-Konzentrationen führen. Im Gegensatz dazu können THC-dominante Pflanzen höhere THC-Gehalte mit wenig oder ohne CBD produzieren. 35 Wie groß die Unterschiede zwischen der Häufigkeit einer hohen und einer niedrigen THC-CBD-Ratio in verschiedenen Cannabisprodukten ist, kann aus den folgenden zwei
Abbildungen entnommen werden, die dem Jahresbericht 2018/2019 "THC-concentraties in wiet, nederwiet en hasj in Nederlandse coffeeshops" von Sander Rigter und Matthijs
Bossong für das Trimbos Instituut veröffentlicht und zur besseren Übersicht hier in diesem Text grafisch überarbeitet wurden. Die erste Abbildung zeigt die Analysenergebnisse von
niederländischen Grassorten (Nederwiet) und die darauf folgende Abbildung die Ergebnisse der Analysen von in den Niederlanden importierten Haschischsorten. 36
Graphik 20: Meistverkaufte niederländische Grassorten (nederwiet)
Graphik 21: Haschisch Importware in den Niederlanden
Die Diagonalen in den den Grafiken mit den THC- und CBD-Werten für niederländische Grassorten (Nederwiet) und Haschischproben vom 0/0-Punkt durch das unterste Rechteck und der Verlängerung durch die weiteren Rechtecke teilt das Rechteck in zwei Bereiche. Alle Werte, die durch die Punkte angegeben sind und oberhalb der Diagonale liegen, haben eine THC-CBD-Ratio, die größer als zwei ist. Entsprechend sind die Punkte unterhalb der Diagonalen die Analysenergebnisse von Proben, die eine THC-CBD-Ratio haben, die kleiner als zwei ist. Bei genauerer Betrachtung der Grafik mit den Werten für niederländische Grassorten erkennt man schnell, dass die meisten Analysen von Proben stammen, deren THC-CBD-Ratio größer als sechzehn ist, da die meisten Punkte oberhalb einer Diagonalen des Rechtecks 0/0-Punkt – 40% THC – 2,5% CBD liegen. Aus der Grafik mit den THC- und CBD-Werten für importierte Haschischsorten ist ersichtlich, dass viele Proben eine THC-CBD-Ratio in der Größenordnung von zwei aufweisen, die meisten Proben liegen im Bereich zwischen der THC-CBD-Ratio eins und vier. Die Zahl der Proben mit einer sehr hohen THC-CBD-Ratio (größer als sechzehn) bei importierten Haschisch hat jedoch in den letzten fünf Jahren zugenommen.
Graphiken 22 und 23: THC-Gehalt (links) und CBD-Gehalt (rechts)
5.5. Synthetische CannabinoideSynthetische Cannabinoide sind Cannabinoid-Rezeptor-Agonisten und haben eine ähnliche Wirkung wie THC. Synthetische Cannabinoide ahmen somit die Wirkung von THC nach. Diese Substanzen docken an den gleichen Stellen im Gehirn an wie THC, jedoch mit bis zu mehr als 100 Mal stärkerer Bindung, was zu einer deutlich intensiveren Wirkung führt. Das Vorkommen von synthetischen Cannabinoiden ist für alle Konsumierenden ein schwer abschätzbares zusätzliches Gesundheitsrisiko. Nicht selten zeigten sich unmittelbar nach dem Konsum körperliche Symptome, die von Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche, Herzrasen, Schwindel und motorischen Schwierigkeiten bis hin zu Lähmungserscheinungen oder Bewusstlosigkeit reichen. Auch ist es schon zu Todesfällen nach dem Konsum von Synthetischen Cannabinoiden gekommen. 1988 synthetisierte die Arbeitsgruppe von Raphael Mechoulam an der Hebräischen Universität in Jerusalem HU-210 ein klassisches Cannabinoid-Analogon, das von Myrtenol abgeleitet ist und eine über 100-fach höhere Potenz als Delta-9-THC bei der Bindung an CB1-Rezeptoren aufwies. Kurz nach der Jahrtausendwende tauchten synthetische Cannabinoide wie JWH-018, die Mitte der 1990er-Jahre von dem Chemiker John W. Huffman an der Clemson University im Rahmen seiner Forschung zu CB1-Rezeptorliganden synthetisiert worden waren, in kommerziellen Produkten auf, die als "Spice" oder Kräuterräuchermischungen verkauft wurden. Die Variabilität synthetischer Cannabinoidprodukte ist deutlich höher als die von natürlichem Cannabis, vor allem aufgrund der illegalen Produktion. Illegal hergestellte kommerzielle Präparate weisen häufig stark schwankende Konzentrationen an Wirkstoffen auf, mit erheblichen Unterschieden zwischen und innerhalb einzelner Chargen, selbst innerhalb desselben Markenprodukts. Diese Schwankungen können unterschiedliche Mischungen mehrerer synthetischer Cannabinoide oder nicht deklarierte Verunreinigungen umfassen, was zu unvorhersehbarer Dosierung und einem erhöhten Risiko von Überdosierung oder Nebenwirkungen führt. Im Gegensatz dazu bieten natürliche Cannabinoide unter kontrollierten Anbaubedingungen reproduzierbare Wirkungen ohne die extremen Chargenschwankungen, die für illegale synthetische Cannabinoide typisch sind. Seit Anfang 2020 wurden im Drogeninformationszentrum in Zürich vermehrt synthetische Cannabinoide detektiert, wobei nur Proben untersucht wurden, bei denen ein
Verdacht auf das Vorhandensein von synthetischen Cannabinoiden bestand. Deshalb wurde das Drug-Checking-Programm in Zürich im Oktober 2020 erweitert, so dass auch Cannabisproben ohne
Verdacht abgegeben werden konnten. Beim Austauschtreffen Fachverband Sucht am 27. Januar 2021 zum Thema synthetische Cannabinoide berichtete Matthias Humm, dass von 155 eingereichten
Proben mit Verdacht auf synthetische Cannabinoide 75 (48,4 Prozent) solche enthielten. Von den Proben ohne Verdacht enthielten nur 11,1 Prozent synthetische Cannabinoide. In den folgenden
Jahren ist der Anteil der Proben, die synthetische Cannabinoide enthielten, deutlich zurückgegangen. 38
Graphik 24: Cannabisproben bei Abgabe mit (Gelb) und ohne (Orange) Verdacht auf synthetische Cannabinoide
5.6. Preise von Haschisch und MarihuanaDie Preise, die im Straßenhandel in Deutschland für ein Gramm Haschisch bezahlt wurden, haben sich im Zeitraum von 2002 bis 2024 um etwa 64 Prozent erhöht. Bei Marihuana lag der Preisanstieg im gleichen Zeitraum deutlich unter 40 Prozent. Die jährlich Entwicklung der Preise sind in der folgenden Grafik dargestellt.
Graphik 25: Straßenhandelspreise in Euro pro Gramm Haschisch und pro Gramm Marihuana
5.7. Wert des THC-GehaltesDer THC-Gehalt im Haschisch ist seit 2002 stärker gestiegen als der durchschnittliche Preis, den man für diese Cannabisprodukte im Straßenhandel zahlen musste. Erhielt man im Jahr 2002 pro bezahlten Euro für Haschisch im Schnitt 11,9 Milligramm THC, so waren es im Jahr 2024 ganze 27,4 Milligramm. In den Jahren 2010 und 2011 gab es pro bezahlten Euro für Haschisch nur 9,6 Milligramm THC. Gemessen am THC-Gehalt und den bezahlten Preise für Haschisch ist in Deutschland der "Haschischrausch" deutlich günstiger geworden, wie man der folgenden Grafik entnehmen kann.
Graphik 26: THC-Menge in Milligramm pro Euro in Deutschland bei Haschisch und Marihuana
Bei Marihuana kann kein eindeutiger Trend festgestellt werden. Die erhaltene Menge an THC pendelte in den letzten Jahren innerhalb der Bandbreite zwischen 11,4 Milligramm und 15,0 Milligramm THC pro bezahlten Euro und lag 2024 bei 14,8 Milligramm.
5.8. FazitSteigender THC-Gehalt in Cannabis ist wohl wahrscheinlich mitursächlich – bei weitem jedoch nicht die einzige Ursache – einer deutlichen Zunahme der Behandlung von Cannabiserkrankungen, die in ganz Europa zu beobachten ist. Obwohl THC der Hauptbestandteil von Cannabis ist, der für seine erwünschten psychotropen wie auch für seine unerwünschten schädlichen Wirkungen verantwortlich ist, kann CBD einige dieser Schäden ausgleichen. In einigen Studien wurde beispielsweise berichtet, dass die akuten Auswirkungen von THC auf Kurzzeitgedächtnisstörungen und psychotischen Symptome teilweise ausgeglichen wurden, wenn CBD zusammen mit THC verabreicht wurde. Eine wichtige Einschränkung der Studie von Tom P. Freeman et al. ist, dass in den meisten EU-Staaten keine Daten zu
CBD erhoben wurden. Analysen von Haschisch in Frankreich und Dänemark zeigten, dass die CBD-Konzentrationen von 2006-2016 stabil blieben
(etwa 4 Prozent in Frankreich und 6 Prozent in Dänemark). Auf der Grundlage dieser Daten könnte davon ausgegangen werden, dass die CBD-Konzentrationen
von 2006 bis 2016 in Europa relativ stabil blieben, obgleich weitere Untersuchungen erforderlich sind, um dies zu verifizieren. Aufgrund
steigender THC- und stabiler CBD-Gehalte in Frankreich und Dänemark, stieg die THC:CBD-Ratio in beiden Ländern. Das THC:CBD-Verhältnis ist
jedoch ein maßgeblicher Faktor bezüglich der Verträglichkeit von Cannabisprodukten. 40 Neuere Untersuchungen aus der Schweiz zeigen, dass in den letzten Jahren der CBD-Gehalt in dem untersuchten Haschisch signifikant gesunken ist während der THC-Gehalt massiv zugenommen hat. Bei den untersuchten Cannabisblüten konnten in den letzten Jahren kein solcher Trend nachgewiesen werden. Die THC-CBD-Ratio steigt derzeit beim Haschisch markant stärker als im Zeitraum der oben genannten Studie. Ein hoher CBD-Anteil respektive eine niedrige THC:CBD-Ratio wirkt auf die Konsumenten entspannend ohne die THC-Wirkung zu beeinträchtigen. Die durch das CBD bewirkte Entspannung erhöht den Genuss und mindert das sogenannte Craving (Substanzverlangen). Es wäre viel für den Gesundheitsschutz gewonnen, wenn die Konsumentinnen und Konsumenten Cannabis von geprüfter Qualität und mit einer klaren Deklaration der Konzentration der Wirkstoffe legal erwerben könnten. Auf dem Schwarzmarkt ist es so, als würden die Konsumenten in der Kneipe "ein Glas Alkohol" bestellen ohne zu wissen, ob der Wirt Bier oder Schnaps ausschenkt. Bei einer kommenden Legalisierung respektive Regulierung des Cannabismarktes sind somit nicht nur die THC-Gehalte sondern auch die CBD-Gehalte zu berücksichtigen und auf allen Produkten sollten Angaben zu diesen und weiteren Cannabinoiden vermerkt werden. Eine Legalisierung mit vernünftiger Regulierung hieße zum Beispiel eine Besteuerung nicht nur nach dem Wirkstoffgehalt von THC vorzunehmen, sondern dafür auch die THC:CBD-Ratio zu berücksichtigen. In diesem Sinne wäre eine Legalisierung ein wichtiger Beitrag zur Schadensminderung.
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