Fachinformation: Methcathinon, Methylon und Mephedron
[Stimulierendes Cathinon-Derivat]

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8. Weitere Cathinon-Derivate

Substituierte Cathinone (Cathinon-Derivate) sind eine eigene Klasse synthetischer psychoaktiver Verbindungen, die von Cathinon, dem Hauptalkaloid der Khatpflanze (Catha edulis), abgeleitet sind und eine β-Ketogruppe am Phenethylamin-Grundgerüst aufweisen, die sie von Amphetaminen unterscheidet und gleichzeitig strukturelle Modifikationen ermöglicht, um die Wirkungsstärke zu erhöhen und rechtliche Beschränkungen zu umgehen. Diese Derivate, oft als synthetische oder neuartige Cathinone bezeichnet, traten Anfang der 2000er Jahre vermehrt als Designerdrogen auf.

 

8.1. α-PCYP

α-PCYP (2-(Pyrrolidin-1-yl)-1-phenylcyclohexan-1-on): Von den neu identifizierten synthe­tischen Cathinonen zählt α-PCYP zu den am häufigsten in Drogenforen erwähnten Verbindungen. Durch den lipophilen und extrem sperrigen Cyclohexyl­ring anstelle der Alkylseitenkette zeigte α-PCYP im Vergleich zum weit verbreiteten α-PVP mit Propylseitenkette eine bis zu doppelt so starke Interaktion mit dem Dopamintransporter. Dies könnte zu einer stärkeren dopaminergen Stimulation und einem höheren Suchtpotenzial führen. Berichten von Konsumenten zufolge lagen die häufigsten Einzeldosen bei 1 bis 20 Milligramm und führten zu einer Wirkungsdauer von zwei bis fünf Stunden. Dosis und Wirkungsdauer hingen von der Art der Verabreichung ab. Die Dosierungs­bereiche, extrapoliert aus der Analogskalierung mit α-PVP und bestätigt durch Forenbeiträge, klassifizieren die Schwellenwerte für die nasale Einnahme bei 1 bis 3 Milligramm, übliche Freizeitdosen bei 3 bis 8 Milligramm, starke Wirkungen bei 8 bis 12 Milligramm und hohe Dosen über 12 Milligramm. Bei oraler Einnahme können aufgrund der in Cathinonprofilen beobachteten Ineffizienz des First-Pass-Metabolismus 1,5- bis 2-fach höhere Dosen erforderlich sein. Die berichtete doppelt so hohe Potenz von α-PCYP im Vergleich zu α-PVP stützt diese niedrigeren Schwellenwerte im Vergleich zum üblichen nasalen Dosisbereich des Analogs α-PVP von 5 bis 10 Milligramm. 32 *

 

8.2. Methylendioxypyrovaleron (MDPV)

Methylendioxypyrovaleron (MDPV; 1-(Benzo[d][1,3]dioxol-5-yl)-2-(pyrrolidin-1-yl)pentan-1-on) ist ein Stimulans aus der Klasse der Cathinone und wirkt als potenter Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer mit kokainähnlicher Charakteristik. Die Substanz wurde in den 1960er Jahren von der Pharmafirma Boehringer Ingelheim entwickelt und auf ihre Wirksamkeit zur Be­handlung von Erschöpfungszuständen geprüft. Nachdem sich in präklinischen Tests unerwünschte Nebenwirkungen gezeigt hatten, wurde die Entwicklung eingestellt. Pyrrolidinocathinone wie MDPV, die Dopamin-Transporter (DAT) deutlich stärker blockieren als Serotonin-Transporter (SERT) haben ein niedriges SERT:DAT-Verhältnis. Ein niedriges SERT:DAT-Verhältnis wird mit verstärkten psychostimulierenden Wirkungen und einem erhöhten Missbrauchspotenzial in Verbindung gebracht. Mehrere Berichte weisen darauf hin, dass synthetische Cathinone die Blut-Hirn-Schranke ungehindert passieren, wobei MDPV und Mephedron eine besonders hohe Membranpermeabilität aufweisen sollen. Übliche Dosierungen (oral) von MDPV liegen für leichte Effekte bei 4 bis 8 mg, für mittelstarke Effekte bei 8 bis 14 mg und für sehr starke Effekte bei 14 bis 25 mg. Die Dosierung ist typischerweise niedriger für potentere Substanzen wie MDPV im Vergleich zu Mephedron und höher bei oraler Einnahme als bei nasaler Anwendung. 33 *

 

8.3. α-PVP (Flakka)

α-PVP (α-Pyrrolidinovalerophenon; 1-Phenyl-2-(pyrrolidin-1-yl)pentan-1-on) wird in der Szene zumeist unter dem Namen Flakka vermarktet. Wie andere synthetische Cathinone hemmt α-PVP stark die Dopamin- und Noradrenalin-Transporter. Zu seinen ausgeprägten klinischen Wirkungen zählen Halluzinationen, gesteigerte Erregung und Euphorie. α-PVP weist dabei ein sehr ähnliches Profil wie MDPV und Kokain auf. Nutzerberichte deuten darauf hin, dass α-PVP beim Schnupfen oder Verdampfen starke, aber kurzzeitige stimulierende Wirkungen hervorruft, die mit denen von Methamphetamin und Kokain vergleichbar sind. Häufig berichtete Wirkungen sind Stimulation, Enthemmung, gesteigerte Libido, zwanghafter Nachdosierungswunsch und Euphorie. Wie andere synthetische Cathinone ist auch α-PVP mit zwanghaftem Konsum und Abhängigkeit verbunden. Übliche Dosierungen (oral) von α-PVP liegen für leichte Effekte bei 1 bis 5 mg, für mittelstarke Effekte bei 5 bis 15 mg und für sehr starke Effekte bei 15 bis 25 mg. Nach der oralen Einnahme beginnt die Wirkung nach 10 bis 30 Minuten und dauert dann gut zwei Stunden. Die Ausklingphase dauert dann meistens noch eine bis zwei Stunden. 34 *

Die meisten Pyrrolidino-Cathinone weisen im Vergleich zu einer Vielzahl anderer Cathinon- und Nicht-Cathinon-Stimulanzien, darunter Kokain, Methamphetamin und Methcathinon, eine sehr hohe Potenz sowohl am Dopamin-Transporter (DAT) als auch am Noradrenalin-Transportersystem (NET). Zum Vergleich: Kokain ist an NET und DAT etwa zehnmal weniger potent als α-PHP, MDPHP und α-PVP. Die Pyrrolidino-Cathinone zeigen zudem eine geringe Potenz am Serotonin-Transporter (SERT) und daher eine hohe Selektivität für DAT gegenüber SERT (niedriges SERT/DAT-Verhältnis). Sie rufen daher wahrscheinlich ausgeprägte zentrale dopaminerge und adrenerge Wirkungen sowie eine ausgeprägte "kokainähnliche" periphere adrenerge Stimulation und kardiovaskuläre Toxizität hervor. 35 *

 

8.4. 2-Me-α-PVP

2-Me-α-PVP (2-Methyl-α-pyrrolidinopentiophenon), auch bekannt als ortho-Pyrovaleron, ist ein neues synthetisches Cathinon, das 2021 in Drogenkonsumentenforen ausführlich diskutiert wurde. Dieses Derivat wurde bereits 2006 synthetisiert und zusammen mit anderen Pyrovaleron-Analoga getestet. 2-Me-α-PVP ist, ähnlich wie Pyrovaleron, ein potenter Dopamin-Transporterhemmer und Dopamin-Wieder­aufnahmehemmer. Diese Verbindungen hemmen auch die Noradrenalin-Wieder­aufnahme und sind gegenüber Serotonin-Transportern inaktiv. Allerdings zeigt 2-Me-α-PVP im Vergleich zum 4-Methyl-Analogon etwa halb so starke Effekte auf Dopamin- und Noradrena­lin-Transporter. Die berichteten Schwellendosen beginnen bei 5 bis 10 Milligramm, während übliche orale Dosen zwischen 20 und 50 Milligramm liegen. Diese Angaben sind jedoch nicht empirisch validiert und bergen aufgrund der hohen Wirkstärke der Substanz als synthetisches Cathinon-Analogon ein erhebliches Überdosierungsrisiko. Die maximale subjektive Wirkung hält typischer­weise 3 bis 6 Stunden an und spiegelt Muster wider, die bei strukturell analogen Pyrrolidinophenon-Cathinonen wie α-PVP beobachtet werden, gefolgt von einer Nachwirkungsphase oder einem dysphorischen Absturz mit Reizbarkeit und Schlaflosigkeit. 36 *

 

8.5. Pyrovaleron

Pyrovaleron (4-Methyl-α-pyrrolidino-valerophenon): Pyrovaleron ist ein synthetisches Cathi­nonderivat und ein Stimulans des zentralen Nervensystems , das primär als potenter Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer wirkt und im Gegensatz zu Amphetaminen keine signifikanten monoaminfreisetzenden Eigenschaften aufweist. Es bewirkt eine psychomotorische Aktivierung durch verstärkte dopaminerge und noradrenerge Signalübertragung im Gehirn. Ursprünglich unter Namen wie Centroton® zur Behandlung chronischer Müdigkeit und Lethargie vermarktet, zeigte Pyrovaleron in klinischen Studien der 1960er und 1970er Jahre Wirksamkeit bei der Linderung von Asthenie (ausgeprägte körperliche und psychische Schwäche, Kraftlosigkeit sowie schnelle Ermüd­barkeit). Aufgrund seiner geringen therapeutischen Breite und Missbrauchsberichte wurde die breite medizinische Anwendung jedoch eingestellt. 37 *

Pyrovaleron wirkt primär als Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI), indem es den Dopamintransporter (DAT) und den Noradrenalin­transporter (NET) stark blockiert und dadurch die extrazellulären Konzentrationen dieser Monoamine in den Belohnungszentren des Gehirns erhöht. Diese Hemmung verhindert die synaptische Wiederaufnahme, verlängert die dopaminerge und noradrenerge Signalübertragung und führt zu einer Stimulation des zentralen Nervensystems, einschließlich erhöhter Wachheit und motorischer Aktivität. Im Gegensatz zu Methamphetamin oder bestimmten anderen synthetischen Cathinonen, die als Substrate die Monoaminfreisetzung induzieren, weist Pyrovaleron ähnliche Eigenschaften wie Kokain auf und hemmt die Wiederaufnahme. Die Affinität zum Serotonin­transporter ist vernachlässigbar gering, wodurch Pyrovaleron sich von serotonergen Cathinonen wie Methylon unterscheidet und seine Wirkung auf die serotonerge Neurotransmission begrenzt wird. Der Freizeitkonsum von Pyrovaleron, einem synthetischen Cathinon, erfolgt typischerweise durch Schnupfen oder orale Einnahme. Die Konsumenten suchen nach stimulierenden Wirkungen, die denen von Kokain oder Amphetaminen ähneln. Die nasale Applikation führt zu einem raschen Wirkungseintritt innerhalb von 10 bis 20 Minuten. Orale Einnahme, einschließlich des direkten Schluckens des Pulvers verzögert den Wirkungseintritt auf 15 bis 45 Minuten und hält eine bis vier Stunden an. Dosiert wird Pyrovaleron in ähnlichen Mengen wie Methamphetamin. Bei oraler Einnahme führen gemäß Angaben von Konsumenten 5 bis 10 mg zu eher leichten Effekten, 10 bis 25 mg sind schon mit einer markanten Wirkung verbunden und 25 bis 50 mg gelten als sehr starke respektive extrem hohe Dosis.

 

8.6. Flephedron (4-FMC)

Flephedrone (4-FMC; 4-Fluormethcathinon, 1-(4-Fluorphenyl)-2-(methylamino)propan-1-on) wirkt primär als Substrat-Freisetzer von Dopamin und Noradrenalin an Monoamintransportern. Strukturell ist Flephedron ein direktes Analogon von Methcathinon. Flephedron entfaltet seine stimulierende Wirkung primär, indem es als Substrat am Dopamintransporter und Noradrenalintransporter fungiert. Es wirkt als Monoamin-Freisetzer und fördert den Ausstrom von Dopamin und Noradrenalin in den synaptischen Spalt über den reversen Transport. Dieser Mechanismus ähnelt dem von Amphetamin und Methamphetamin, bei denen die Substanz über den Transporter in das Neuron gelangt. Die Wirkung erhöht den extrazellulären Katecholaminspiegel und führt zu lokomotorischer Stimulation und Euphorie, ohne die bei entaktogenen Analoga beobachtete substanzielle serotonerge Potenzierung. 38 *

Nutzer berichten von subjektiven Wirkungen von Flephedron, darunter leichte bis mäßige Euphorie, gesteigerte Geselligkeit und erhöhte Empathie bei niedrigen Dosen (typischerweise 50 bis 100 mg oral oder nasal), ähnlich denen anderer synthetischer Cathinone wie Mephedron, jedoch mit weniger ausgeprägten empathogenen Eigenschaften als MDMA. Diese kognitiven Verbesserungen äußern sich in gesteigerter Konzen­tration, Redseligkeit und einem Gefühl emotionaler Offenheit, wobei die empirischen Daten jedoch bisher auf anekdotische Selbstberichte von Freizeit­konsumenten und nicht auf kontrollierte klinische Studien beschränkt sind. Bei höheren Dosen (über 150 mg) verschieben sich die psychischen Effekte hin zu Angstzuständen, Unruhe und Paranoia. Einige Berichte beschreiben aufdringliche Gedanken oder leichte Halluzinationen. Anfänglich überwiegt die Stimulation und erzeugt einen schnellen Rausch, vergleichbar mit Kokain, jedoch von kürzerer Dauer. Die Wirkung erreicht ihren Höhepunkt oft innerhalb von 30 bis 60 Minuten und hält insgesamt zwei bis vier Stunden an, bevor sie in Müdigkeit oder Reizbarkeit übergeht. Der Wirkungseintritt variiert je nach Verab­reichungsweg: oral etwa 15 bis 30 Minuten, nasal aufgrund der höheren Bioverfügbarkeit schneller (5 bis 15 Minuten). Die Wirkungsdauer beträgt in der Regel zwei bis vier Stunden pro Dosis, wobei eine erneute Gabe zur Verlängerung der Wirkungsdauer üblich ist. 39 *

 

8.7. Naphyron (NGR-1)

Naphyron (NRG-1; Naphthylpyrovaleron; 1-(Naphthalin-2-yl)-2-(pyrrolidin-1-yl)pentan-1-on) gilt als potenter Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer und bewirkt durch verstärkte mono­aminerge Neurotransmission stimulierende Effekte. Frühe Anwenderberichte, vor allem aus Online-Foren und Erfahrungsberichten in Beratungsberichten, charakterisierten Naphyron als hochpotentes Stimulans, das bereits in niedrigen Dosen von etwa 10 bis 20 Milligramm – etwa fünf- bis zehnmal weniger als typische Mengen von Mephedron – wirksam ist und beispielsweise durch Schnupfen oder orale Einnahme konsumiert werden kann. Die Wirkungen wurden häufig mit denen von Methylendioxypyrovaleron (MDPV) verglichen, darunter intensive Euphorie, gesteigerte Energie, eine bis zu 12 Stunden anhaltende Stimulation und empathogene Eigenschaften bei niedrigeren Dosen. Höhere Dosen führten jedoch Berichten zufolge auch zu Angstzuständen und Paranoia. Naphyrone wirkt als dreifacher Monoamin-Wiederaufnahmehemmer und blockiert potent den Dopamintransporter, den Noradrenalintransporter und den Serotonintransporter. Dadurch wird die Wiederaufnahme dieser Neurotransmitter in präsynaptische Neuronen verhindert und deren extrazelluläre Konzentration im synaptischen Spalt erhöht. Diese Hemmung erfolgt mit hoher Potenz an allen drei Transportern. Der Wirkmechanismus ähnelt dem von Kokain, erstreckt sich aber auch auf serotonerge Systeme. Die übliche nasale Applikation erfolgt mit 20 Milligramm, die orale mit 40 bis 50 Milligramm. 40 *

 

8.8. Ephylon (N-Ethylpentylon)

Ephylon (N-Ethylpentylon; 1-(1,3-Benzodioxol-5-yl)-2-(ethylamino)pentan-1-on) ist ein reiner und potenter Wiederaufnahmehemmer des Dopamintransporters. Es hemmt auch die Wieder­aufnahme von Noradredalin und Serotonin, wenn auch in geringerem Maße. N-Ethylpentylon, auch bekannt als N-Ethylnorpentylon oder Ephylon, wurde bereits in den 1960er Jahren von Pharmazeuten bei Boehringer Ingelheim im Rahmen der Entwicklung synthetischer Analoga von Cathinon erstmals synthetisiert und beschrieben. Diese Forschung konzentrierte sich auf die Modifizierung des Beta-Keto-Amphetamin-Gerüsts, um potenzielle stimulierende Eigenschaften zu erforschen. Sie baute dabei auf früheren Untersuchungen zu den Struktur-Wirkungs-Beziehungen von Cathinon für diverse pharmazeutische Anwendungen wie Appetitunterdrückung oder Stimulation des zentralen Nervensystems auf. Laut Daten des National Forensic Laboratory Information System tauchte Ephylon in den Vereinigten Staaten erstmals im Jahr 2015 auf dem Schwarzmarkt auf. In Europa wurde der Nachweis der Substanz erstmals im Januar 2016 der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD, heute Drogenagentur der Europäischen Union, EUDA) gemeldet. Aufgrund von vermehren Todesfällen und zahlreichen Einlieferungen in Krankenhäuser wurde Ephylon in der Folge in den meisten Ländern sukzessive verboten. 41 *

Bei Dosen um 20 bis 40 Milligramm deuten Selbstberichte auf eine Entwicklung von anfänglicher Stimulation hin zu gesteigerter Sinneswahrnehmung und leichten empathogenen Eigenschaften, wobei die maximale Wirkung drei bis sechs Stunden anhält, bevor sie allmählich abklingt. Höhere Dosen können eine intensivere Stimulation und subtile visuelle Veränderungen hervorrufen, wobei diese jedoch dosisabhängig sind und von Anwender zu Anwender unterschiedlich berichtet werden. Im Vergleich zu anderen stimulierenden Entaktogenen wirkt Ephylon vor allem stimulierend und weniger entaktogen und auch weniger euphorisierend. Die entaktogenen Empfindungen sind im Vergleich zu MDMA oder Methylon deutlich schwächer. 42 *

Tests auf Veranstaltungen im Sommer 2018 in England zeigten, dass Ephylon nun deutlich leichter erhältlich war und häufig als weißes oder farbiges Pulver gefunden wurde, das identisch mit MDMA-Proben aussah. Ein besonderes Risiko besteht darin, dass Ephylon deutlich stärker wirkt als MDMA, weshalb eine Überdosierung sehr leicht passieren kann. Eine übliche MDMA-Dosis liegt bei etwa 100 Milligramm, während die Dosis für Ephylon bereits bei 25 bis 30 Milligramm liegen kann und eine starke Wirkung aufweist. Wer glaubt, MDMA eingenommen zu haben (weil eine falsch deklarierte Substanz geliefert wurde) und 100 Milligramm Ephylon konsumiert hat, könnte mit unangenehmen Nebenwirkungen überrascht worden sein und sich in eine äußerst gefährliche Situation befunden haben. 43 *

Im Gegensatz zu ähnlichen Substanzen hat Ephylon gemäß Aussagen von Konsumenten in höheren Dosen eine sehr lang anhaltende Wirkung. Unter Konsumenten gilt es als eines der unbeliebteren Cathinone, da die unangenehmen Nebenwirkungen häufig sehr im Vordergrund stehen.Vor allem bei hohen Dosierungen und häufigem Nachlegen wird das Runterkommen von Konsumenten als sehr unangenehm empfunden. Nach dem Konsum kann es zu einer unangenehm langen Schlaf­losigkeit und manchmal kann es auch völlig unerwartet sogar zu Depressionen kommen. 44 *

Ephylon hat eine hohe Affinität zum Dopamin-Transporter und zum Noradrnalin-Transporter und eine deutlich geringere Affinität zum Serotonin-Transporter. Durch die etwa 8- bis 10-fache Selektivität für die Dopamin- gegenüber der Serotonin-Wiederaufnahmehemmung, kann seine strukturelle Ähnlichkeit zu methylendioxyhaltigen Cathinonen wie Pentylon dennoch die serotonerge Aktivität erhöhen und somit das Risiko eines Serotonin-Syndroms durch übermäßige Neurotransmitter-Akkumulation steigern, insbesondere bei hohen Dosierungen oder gleichzeitiger Anwendung anderer serotonerger Substanzen.

 

8.9. N-Ethylhexedron (NEH)

N-Ethylhexedron (2-(Ethylamino)-1-phenylhexan-1-on) wurde erstmals 1964 im Rahmen eines Patents von Boehringer Ingelheim zur Erforschung von Aminoketonderivaten synthetisiert und ist ein reiner und potenter Inhibitor der Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin durch Hemmung (Lahmlegung) der entsprechenden Transporter. Demgegenüber hat N-Ethylhexedron eine geringe Hemmwirkung auf die Serotonin-Tranporter. Sein pharmakologisches Profil ähnelt daher dem von Pyrrolidin-Cathinonen. Seine lokomotorisch stimulierende Wirkung ist mit der von Kokain vergleichbar und etwas schwächer als die von Methamphetamin, wobei die maximale reine lokomotorische Wirkung im Vergleich zu Kokain und Methamphetamin länger anhält. Laut Anwenderberichten ist die gewünschte Wirkung jedoch nur von kurzer Dauer, was zu gefährlichem Überdosieren führen kann. Die übliche Dosis liegt bei 50 bis 60 Milligramm als Einzeldosis, die Spanne kann jedoch deutlich größer sein und hängt vom Verabreichungsweg ab (bei nasaler Applikation wird zumeist geringer dosiert als bei oraler Einnahme). Bei wiederholter Einnahme von N-Ethylhexedron entwickelt sich rasch eine Toleranz, sodass zunehmend höhere Dosen erforderlich sind, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Dieses Muster ist typisch für synthetische Cathinone und trägt zu zwanghaftem Nach­dosieren bei. Die Pharmakokinetik des Medikaments begünstigt exzessiven Konsum. Konsumenten verabreichen oft mehrere Dosen innerhalb einer Sitzung, um die Euphorie aufrechtzuerhalten und dem anschließenden Absturz entgegenzuwirken.

Der Freizeitkonsum von N-Ethylhexedron erfolgt überwiegend durch Schnupfen als primäre Verabreichungsart, wobei die berichteten Dosen zwischen 10 und 250 Milligramm pro Sitzung liegen, obwohl in Selbstberichten oft 20 bis 100 Milligramm für den Eintritt der stimulierenden Wirkung angegeben werden. Die orale Einnahme kommt seltener vor, wird aber in Benutzer­berichten neben der nasalen Einnahme vor allem in Fällen von Mehrfachdrogenkonsum doku­mentiert. Die Konsumenten suchen typischerweise nach kurzfristiger Euphorie, gesteigerter Energie und Geselligkeit, ähnlich wie bei anderen synthetischen Cathinonen, wobei die Muster denen von Substanzen wie α-PVP in Bezug auf schnellen Wirkungseintritt und zwanghaftes Nachdosieren ähneln. N-Ethyl-Hexedron intensiviert den Tastsinn und kann eine luststeigernde Wirkung haben. Unerwünschte Nebenwirkungen machen sich zumeist wie folgt bemerkbar: kalte Füße und Hände, Übelkeit, Kieferkrämpfe, gesteigerter Harndrang, Kurzatmigkeit, sexuelle Dysfunktion. 45 *

Betreffend Dosierung nennt das Psychonauten-Wiki folgende Werte für den nasalen Gebrauch: leichte Dosierung: 5 bis 24 mg, mittlere Dosierung 24 bis 30 mg, starke Dosierung 30 bis 40 mg und was darüber liegt wird als extrem stark klassifiziert. 46 *

 

8.10. Methedron (PMMC, βk-PMMA)

Methedron (PMMC; 4-Methoxymethcathinon; 1-(4-Methoxyphenyl)-2-(methylamino)propan-1-on) ist ein synthetisches, substituiertes Cathinon, das sich durch eine Methoxygruppe in para-Position des Phenylrings im Methcathinon-Grundgerüst auszeichnet. Chemisch ist Methedron eng mit para-Methoxymethamphetamin (PMMA), Methylon und Mephedron verwandt. Es fungiert als nicht-selektives Substrat für Monoamintransporter und fördert die Freisetzung von Dopamin, Sero­tonin und Noradrenalin, während es deren Wiederaufnahme hemmt. Dadurch erzeugt es stimulie­rende und entaktogene Effekte, die mit denen von Methamphetamin oder MDMA vergleichbar sind. Trotz anfänglicher Annahmen relativer Sicherheit wurde der Gebrauch von Methedron mit akuter Toxizität in Verbindung gebracht, darunter Kreislaufprobleme, Hyperthermie und Krampf­anfälle. Es gibt dokumentierte Fälle von tödlicher Überdosierung selbst bei moderaten Dosen aufgrund seiner geringen therapeutischen Breite. Selbstberichtete Einzeldosen aus Online-Foren und Studien zur Schadensminimierung Anfang der 2010er-Jahre liegen typischerweise zwischen 100 und 200 Milligramm bei oraler und zwischen 50 und 150 Milligramm bei intranasaler Anwendung, wobei aufgrund der kurzen Wirkungsdauer häufig eine erneute Dosis eingenommen wird, um die Wirkung zu verlängern. Eine Kreuztoleranz aufgrund vorherigen Konsums von Amphetaminen oder verwandten Cathinonen erschwert die Dosierung zusätzlich, wie Erfahrungsberichte von Konsumenten zeigen. Die Wirkung setzt schnell ein, sowohl bei nasaler als auch bei oraler Einnahme. Die maximale Wirkung hält ein bis zwei Stunden an, gefolgt von einer Gesamtdauer einer Phase langsam abklingender Intensität der Wirkung von bis zu vier Stunden. Anschließend kann eine Nachwirkungsphase mit Restwachheit oder ein nachfolgender Einbruch mit Müdigkeit auftreten. 47 *

 

 

9. Hinweise zur Dosierung

Vorweg eine Warnung: Als häufigste Vertreter der Substanzgruppe Cathinon-Derivate testete das DIZ Zürich im Jahr 2023 die Substanz 3-MMC (44 Proben) und 4-MMC (auch bekannt als Mephedron, 36 Proben). Auffallend war, dass bei nur 12 der 3-MMC-Proben und 6 der 4-MMC-Proben keine unerwarteten Inhaltsstoffe oder eine Falschdeklaration festgestellt wurden. Dies bedeutet, dass etwa 75% dieser Proben Synthesenebenprodukte oder (zusätzlich) andere Inhaltstoffe als den erwarteten Wirkstoff enthielten. 48 * Beim Drug-Checking in Berlin wurden die Proben fast immer als Mephedron oder dessen Stellungsisomer 3-MMC eingereicht. Die Proben waren gemäß Analyse sehr oft falsch deklariert. Neben den erwarteten Substanzen 4-MMC und 3-MMC wurden 2-MMC, 3-CMC, 4-CMC, N-Methylpentylon, N-Ethylpentedron, N-Methylbenzedron und 3-MEC, nachgewiesen. 49 * Wer gerne Cathinon-Derivate für sich nutzen möchte, dem sei hier dringend empfohlen, die Substanzen vorher im Rahmen eines Drug-Checking-Projektes testen zu lassen.

Warnung von Saferparty in Zürich:
"In letzter Zeit häufen sich in europäischen Drug-Checking-Angeboten Fälle von als 3-MMC oder 4-MMC (Mephedron) deklarierten Proben, die stattdessen andere, deutlich potentere Cathinone enthalten. In Zürich wurden kürzlich zwei vermeintliche 3-MMC-Proben getestet, die ausschließlich aus NEP bzw. alpha-PVP bestanden.

Aktuell enthalten im Drogen-Informations-Zentrum (DIZ) Zürich ca. 70% der als 3-MMC deklarierten Proben andere Substanzen. Statt des erwarteten 3-MMC finden sich häufig N-Ethyl­pentedron (NEP), alpha-PVP oder andere Cathinone wie z.B. 2-MMC. Die Falschdeklarationen beschränken sich nicht nur auf die Schweiz: Drug-Checking-Angebote von Belgien und Frankreich melden ähnliche Fälle.

Das Hauptrisiko der Falschdeklarationen liegt in den starken Dosierungsunterschieden. Während Cathinone wie 2-MMC, 3-MMC oder 4-MMC typischerweise in geschluckten Dosierungen von 100-200mg konsumiert werden, sind bei der Substanz NEP bereits 20-50mg geschluckt eine aktive Dosis – das entspricht einer 3-5 fach höheren Potenz. Bei alpha-PVP sind sogar bereits 5-15mg geschluckt wirksam, was bedeutet, dass eine gewohnte 3-MMC-Dosis zu einer massiven und potenziell lebensbedrohlichen Überdosierung führen kann. Diese extremen Potenzunterschiede erklären sich durch die unterschiedlichen pharmakologischen Eigenschaften der Substanzen." 50 *

 

Methylon (MDMC, βk-MDMA): Die üblicherweise eingenommene Anfangsdosis von Methylon liegt zwischen 150 mg und 250 mg bei oraler Applikation. Das entspricht etwa 2 mg bis 3,3 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Genießer, die Methylon gut vertragen, nehmen nach etwa zwei Stunden dann nochmals etwa 150 mg, um die Hochphase der Wirkung – auch Plateauphase genannt – zu verlängern. Mehr als zweimal sollte man Methylon jedoch nicht nachlegen, da bei weiteren Einnahmen die Wahrscheinlichkeit steigt, dass man mit unangenehmen Neben- und Nachwirkungen rechnen muss. 51 *

 

Mephedron (4-MMC): Die übliche nasale Einzeldosis liegt bei 50 mg bis 100 mg. Mephedron ist eine stark reizende Chemikalie, und nach mehrfachen Konsum kann es leicht zu Blutungen in der Nase kommen. Es wird berichtet, dass deshalb einige User vom Sniefen zum Oralkonsum umgestiegen sind. 52 * Die oralen Dosen sind mit 150 mg bis 250 mg höher. Mephedron wird üblicherweise oral eingenommen oder auch geschnupft.

Im Zeitraum vom 17. bis zum 30. November 2009 – also noch vor dem Verbot von Mephedron – gaben 2700 erfahrene Drogengebraucher bei einer Online-Umfrage in England u.a. an, welche Drogen sie in den letzten 30 Tagen konsumierten. Bei MDMA lag der Anteil bei 53,1%, bei Kokain bei 47,4% und bei Mephedron bei 33,2%. Die meisten (65,9%) schnupften Mephedron, wobei im Rahmen einer Session respektive einer Party (mit einer durchschnittlichen Länge von 10,4 Stunden) im Schnitt 0,91 Gramm verbraucht wurden. Dies entspricht knapp 100 mg pro Stunde. Die große Mehrheit der Mephedronkonsumenten, die zuvor schon Erfahrungen mit Kokain gemacht haben, gaben an, dass Mephedron länger wirkt als Kokain (65,2%), das High besser sei als mit Kokain (54,6%) und dass die Gefahr, sich von der Substanz abhängig zu machen, auch geringer sei als bei Kokain (55,7%). 53 *

 

Butylon (βk-MBDB): Butylon ist etwas niedriger zu dosieren als Methylon. Die Anfangsdosis liegt bei Butylon normalerweise – wenn oral eingenommen – zwischen 120 mg und 180 mg entsprechend 1,5 mg bis 2,25 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Die Ergänzungsdosis, die meistens nach ein bis zwei Stunden eingenommen wird, sollte nicht mehr als 80 mg bis maximal 120 mg betragen. Erfahrene Psychonautiker raten davon ab, mehr als zwei Dosierungen von Butylon nacheinander einzunehmen, um die Wahrscheinlichkeit unangenehmer Nachwirkungen zu verringern.

 

Ethylon (βk-MDE): Ethylon wird erst seit kurzer Zeit beim Menschen verwendet und soll weniger potent sein als sein Verwandtes Methylon. So wie MDE etwa 15 Prozent höhere Dosierungen erfordern als MDMA für eine etwa gleich starke Wirkung, so sind Ethylon auch etwa 15 Prozent mehr Substanz erforderlich als bei Methylon, also etwwaa 170 bis 290 mg bei oraler Applikation.

 

Metaphedron (3-MMC): Bei oraler Einnahme (geschluckt) haben 50 bis100 mg eher eine leichte Wirkung, 100 bis 150 mg eine mittlere oft angenehm empfundene Wirkung und Dosierungen von mehr als 150 mg führen zu einer starken bis sehr starken Wirkung. Bei nasaler Applikation (geschnupft) genügt für die gleiche Wirkung etwas weniger als die Hälfte als bei oraler Einnahme, die Wirkung tritt bei nasaler Applikation schneller ein und dauert dafür weniger lang. 54 *

 

Methcathinon: Bei nasaler Einnahme (geschnupft) liegt die übliche Dosis bei 50 bis 70 mg, wobei die Wirkung nach 10 Minuten einsetzt und bis zu fünf Stunden dauert und bei Dosierungen über 70 mg verlängert sich die Wirkungsdauer erheblich, je nach Dosierung bis zu mehr als 24 Stunden. Geschluckt setzt die Wirkung nach etwa einer halben Stunde ein und die üblichen Dosierungen liegen zwischen 50 und 250 mg und die Wirkung dauert je nach Dosierung 5 bis 25 Stunden.



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De la Rosa G, Papaseit E, Hladun O, Poyatos L, Caicedo DA, Argote MC, Martín S, Ventura M, La Maida N, Di Trana A, Graziano S, Pichini S, Farré M and Pérez-Mañá C (2025) Acute pharmacological effects of α-PVP in humans: a naturalistic observational study. Front. Pharmacol. 16:1626692. doi: 10.3389/fphar.2025.1626692
https://www.frontiersin.org/journals/pharmacology/articles/10.3389/fphar.2025.1626692/full
33
Psychonaut Wiki: MDPV
https://psychonautwiki.org/wiki/MDPV
34
Psychonaut Wiki: α-PVP
https://psychonautwiki.org/wiki/%CE%91-PVP

Glennon RA, Young R. Neurobiology of 3,4-methylenedioxypyrovalerone (MDPV) and α-pyrrolidinovalero­phenone (α-PVP). Brain Res Bull. 2016 Sep;126(Pt 1):111-126. doi: 10.1016/j.brainresbull.2016.04.011. Epub 2016 Apr 29. PMID: 27142261; PMCID: PMC5817884.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5817884/

De la Rosa G, Papaseit E, Hladun O, Poyatos L, Caicedo DA, Argote MC, Martín S, Ventura M, La Maida N, Di Trana A, Graziano S, Pichini S, Farré M and Pérez-Mañá C (2025) Acute pharmacological effects of α-PVP in humans: a naturalistic observational study. Front. Pharmacol. 16:1626692. doi: 10.3389/fphar.2025.1626692
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Gov. UK: Advisory Council on the Misuse of Drugs: Research and analysis Synthetic cathinones: an updated harms assessment.
https://www.gov.uk/government/publications/synthetic-cathinones-an-updated-harms-assessment/synthetic-cathinones-an-updated-harms-assessment-accessible
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Kuropka, Patryk & Zawadzki, Marcin & Szpot, Paweł. (2022). A review of synthetic cathinones emerging in recent years (2019–2022). Forensic Toxicology. 41. 10.1007/s11419-022-00639-5.
https://www.researchgate.net/publication/363371402_A_review_of_synthetic_cathinones_emerging_in_recent_years_2019-2022
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