Kaffe und Tabak aus kultur- und Sozialgeschichtlicher Sicht

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Johann Sebastian Bach: Erbauliche Gedanken eines Tabakrauchers (1704)

So oft ich meine Tabaks-Pfeife,
mit gutem Knaster angefüllt,
zur Lust und Zeitvertreib ergreife,
gibt sie mir ein Trauerbild
und füget diese Lehre bei,
daß ich derselben ähnlich sei.

Die Pfeife stammt von Ton und Erde,
auch ich bin gleichfalls draus gemacht.
Auch ich muß einst zur Erde werden,
sie fällt und bricht, eh ihr's gedacht,
mir oftmals in der Hand entzwei,
mein Schicksal ist auch einerlei.

Die Pfeife pflegt man nicht zu färben,
Sie bleibet weiß. Also der Schluß,
daß ich auch dermaleins im Sterben
dem Leibe nach erblassen muß.
Im Grabe wird der Körper auch
So schwarz wie sie nach langem Brauch.

Wenn nun die Pfeife angezündet,
so sieht man, wie im Augenblick
der Rauch in freier Luft verschwindet,
nichts als die Asche bleibt zurück.
So wird des Menschen Ruhm verzehrt
und dessen Leib in Staub verkehrt.

Wie oft geschieht`s nicht bei dem Rauchen,
daß, wenn der Stopfer nicht zur Hand,
man pflegt die Finger zu gebrauchen.
Dann denk ich, wenn ich mich verbrannt:
O, macht die Kohle solche Pein,
wie heiß mag erst die Hölle sein.

Ich kann bei so gestalten Sachen
mir bei dem Tabak jederzeit
erbauliche Gedanken machen.
Drum schmauch ich voll Zufriedenheit
Zu Land, zu Wasser und zu Haus
Mein Pfeifchen stets mit Andacht aus.

 


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