Fachinformation:
GHB (Gamma-Hydroxybutyrat) – Mischkonsum
[Endogener Neurotransmitter]

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8. Hinweise zur Dosierung

GHB wird zumeist in der Form von Natrium-Gamma-Hydroxybutyrat (Natrium-GHB, Na-GHB) ausgeliefert. Die handelsüblichen Ampullen mit 10 Milliliter Injektionslösung (Somsanit®) enthalten 2,423 Gramm Natrium-GHB entsprechend 2,000 Gramm GHB. Die handelsübliche Lösung zum Einnehmen (Xyrem®)i enthält 500 mg Natrium-GHB pro Milliliter Lösung. Es gelten somit folgende Entsprechungen:

 
1,000 g GHB entspricht 1,211 g Na-GHB
5,0 ml Injektionslösung (Somsanit®)
2,4 ml Lösung zum Einnehmen (Xyrem®)
1,000 g Na-GHB entspricht 0,825 g GHB
4,1 ml Injektionslösung (Somsanit®)
2,0 ml Lösung zum Einnehmen (Xyrem®)

Um die gleiche Wirkungsintensität mit GBL (Gamma-Butyrolacton) oder mit BDO (1,4-Butandiol) wie mit GHB (Gamma-Hydroxybutyrat) zu erzielen, müssen erstgenannte Substanzen niedriger dosiert werden als GHB respektive Na-GHB (Natrium-Gamma-Hydroxybutyrat). In der folgenden Tabelle sind die Wirkungsäquivalenzen (Dosierungen, die die gleiche Wirkung entfalten) der Substanzen Na-GHB, GBL und BDO zusammengestellt.

 
Wirkungsäquivalenzen von den Substanzen
Na-GHB GBL BDO
1,00 0,68 0,71
1,47 1,00 1,04
1,41 0,96 1,00

Die Wirkung von GHB ist stark Dosisabhängig. Zudem ist die Wirkung bei einem Mischkonsum mit anderen psychotropen Substanzen oft deutlich anders ausgeprägt als nach dem alleinigen Konsum von GHB. Die folgenden Angaben sind überlieferte Erfahrungswerte und beziehen sich auf die Substanz GHB respektive genauer auf die Substanz Na-GHB, der handelsüblichen Form von GHB. Um die entsprechende Werte für GBL zu erhalten, sind die Mengenangaben mit 0,68 zu multiplizieren oder näherungsweise zieht man ein Drittel der bei Na-GHB angegeben Werte ab. Die Dosierungen sind für eine etwa 70 Kilogramm schwere Person berechnet. Aufgrund der Angaben Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (mg/Kg) können die Werte leicht für Personen mit einem größeren oder kleineren Körpergewicht berechnet Werden. Die Beschreibungen der Effekte gelten für den alleinigen und einmaligen oralen Konsum von GHB respektive GBL oder BDO (Monokonsum) und nicht für den Mischkonsum mit anderen psychotropen Substanzen.

 
Dosierung (Na-GHB) Effekt (nach einmaligen Monokonsum)
0,5 bis 1,5 Gramm
(ca. 7 bis 21 mg/Kg)
Neben der antidepressiven und anxiolytischen (angslösenden) Wirkung verspürt der Konsument einen leicht euphorisierenden und sozialisierenden Effekt. Der Konsument fühlt sich zumeist ausgeglichen, entspannt und leicht berauscht, die Sinneseindrücke werden verstärkt, das Kontaktbedürfnis und die Libido (der Sexualtrieb) werden erhöht und eine verstärkte körperliche Sensibilität tritt ein.
1,5 bis 2,5 Gramm
(ca. 21 bis 36 mg/Kg)
Das Farbsehen ist sehr stark intensiviert und es können auch Halluzinationen auftreten. Auf der körperlichen Ebene tritt eine stark ausgeprägte Verstärkung der Lust nach Berührung ein. Die Liebeslust ist übermäßig angeregt. Deshalb wird GHB in Dosierungen um 2 Gramm gerne als Kuschel- und Sexdroge eingenommen.
2,5 bis 3,0 Gramm
(ca. 36 bis 43 mg/Kg)
Das euphorische Glücksgefühl wird nicht selten plötzlich durch Schläfrigkeit, Schwindelgefühl, Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen getrübt. Muskelzuckungen, Krämpfe, Bradykardie (Verlangsamung des Pulses) und starke Halluzinationen können auftreten.
3,0 bis 4,0 Gramm
(ca. 43 bis 57 mg/Kg)
In der Regel führen solche Dosierungen anfangs zu Benommenheit und Artikulationsschwierigkeiten, dann zumeist nach wenigen Minuten zu Bewußtlosigkeit. Im Allgemeinen wachen die Konsumenten solcher Dosierungen nach mehreren Stunden Schlaf ohne bleibende Schäden wieder auf und fühlen sich zumeist gut ausgeschlafen.
4,0 bis 6,0 Gramm
(ca. 57 bis 86 mg/Kg)
Narkotische Dosis, die in der Regel innerhalb weniger Minuten zu Bewußtlosigkeit respektive Koma führt. Das Koma verläuft in den weitaus meisten Fällen reversibel und ohne bleibende Schäden. Die Phase des Abtauchens in die Bewußtlosigkeit wie auch die Phase des Erwachens nach mehreren Stunden verlaufen sehr rasch. Nach dem Aufwachen aus dem Koma sind GHB-Konsumenten oft innerhalb von wenigen Sekunden wieder völlig orientiert, reagieren absolut adäquat und weisen kaum Residuen (Krankheitsfolgen) und keinen "hangover" auf.

 


9. Safer Use

Der Harvard Professor für Psychologie, Timothy Leary, entwickelte in den frühen 60er Jahren die heute weltweit anerkannte Theorie von Drug, Set und Setting. Er folgerte aus vielen Beobachtungen, dass die Qualität von Drogenerfahrungen wesentlich durch die verabreichten Mengen und Kombinationen bestimmter Substanzen (drug), durch die innere Bereitschaft und persönliche Befindlichkeit (set) und die äußeren Umstände (setting) bestimmt werden.

Die meisten wissenschaftlichen Arbeiten zur Thematik Drogen- und Rauschkultur fundieren in der Analyse von Substanzwirkungen, wobei Art und Menge der Substanz sowie die Dauer des Konsums die wichtigsten Ausgangspunkte der Analysen sind. Tätig in diesem Bereich (drug) sind vor allem Pharmakologen und Ärzte. Weit weniger Veröffentlichungen von wissenschaftlichen Untersuchungen gibt es zu den Wirkungen bestimmter Substanzen bei unterschiedlich ausgeprägten Eigenschaften der Konsumenten. Im Vordergrund dieser Untersuchungen steht die Abhängigkeit des Rauscherlebnisses von den Charaktereigenschaften und der Befindlichkeit der Konsumenten (set). Bezüglich der äußeren Umstände, das sind die kulturellen und sozialen Rahmenbedingungen (setting), die Drogenerlebnisse beeinflussen, gibt es nur wenige Forschungsergebnisse, obwohl gerade diese Rahmenbedingungen die Konsummuster wie auch die Erlebnisqualitäten ganz erheblich prägen. Dies gilt ganz besonders für den Gebrauch von GHB. Deshalb betreffen die meisten hier aufgeführten "Safer-Use-Regeln" das Set und Setting und nicht die Substanz selbst.

  • Die Umgebung sollte vor einer hochdosierten GHB-Einnahme gut vorbereitet sein. Jeder braucht einen bequemen Platz zum Sitzen oder Liegen.

  • GHB sollte niemals eingenommen werden, wenn man alleine ist, da immer unerwartete Nebenwirkungen auftreten können und man eventuell auf die Hilfe anderer angewiesen sein könnte.

  • Sex auf GHB kann sehr geil sein, das Suchen und Herbeischaffen von Kondomen und Gleitcreme jedoch äußerst anstrengend oder mühsam. Deshalb sollte man sich zuvor alles schön zurechtlegen, was man nach der GHB-Einnahme brauchen könnte: Kondome, Gleitcreme, Massageöl, Getränke, ...

  • Vor der Einnahme sollte die Dosierung nochmals genau geprüft werden. Sollte die Wirkstoffkonzentration der Flüssigkeit nicht genau bekannt sein, gilt die Regel: lieber weniger als mehr. Nach einer Überdosierung verschläft man bestenfalls die Zeit, in der das GHB wirkt. Nach einer Unterdosierung hingegen kann man später immer noch entscheiden, ob man es mit einer höheren Dosierung versuchen will.

  • Vor der Einnahme sollte man sich nochmals genau erkundigen, ob die Partner und/oder Partnerinnen zuvor schon andere psychoaktive Substanzen konsumiert haben und ob diese mit GHB verträglich sind. Bereits geringe Mengen von Alkohol können ein GHB-Erlebnis auf äußerst unangenehme Weise trüben.

  • GHB beeinträchtigt das Reaktionsvermögen. Deshalb sollte man nach dem Konsum von GHB auf keinen Fall ein Fahrzeug lenken oder gefährliche Maschinen bedienen.

 

10. Mischkonsum

Mischintoxikationen von GHB und Alkohol sowie von GHB und Opiaten gelten als sehr gefährlich, da es zu Atemdepressionen und zu Atemstillstand kommen kann. Auch der Konsum von GHB nach der Einnahme von Barbituraten, Benzodiazepinen und Antihistaminika erhöht die Wahrscheinlichkeit des Auftretens unangenehmer Nebenwirkungen. Die folgenden Angaben betreffen natürlich auch die Substanzen GBL und BDO, da diese im Körper zu GHB umgewandelt werden.

 

GHB und Alkohol (auch in geringer Dosierung)

Nie und nimmer sollte GHB nach dem Konsum von Alkohol eingenommen werden. Auch vom gleichzeitigen Konsum von Alkohol und GHB ist in jedem Fall dringend abzuraten.

Der Mischkonsum von Alkohol und GHB verstärkt die jeweiligen stoffspezifischen pharmakologischen Effekte der anderen Substanz. Alkohol wirkt analog zu den Benzodiazepinen (Psychopharmaka aus der Gruppe der Tranquilizer) und Barbituraten (Schlafmittel, Antiepileptika, Narkotika) wie ein Modulator der GABAA-Rezeptoren. Die Aktivierung der GABAA-Rezeptoren wird durch Alkohol potenziert, das heißt die Wirkung von Alkohol wird genauso durch Benzodiazepine, Barbiturate und GHB drastisch verstärkt wie die Wirkung der letztgenannten durch Alkohol.

Der gleichzeitige Konsum von Alkohol und GHB führt nicht nur zu Übelkeit, Erbrechen und einem Abfallen des Blutdrucks, sondern kann auch lebensbedrohliche Atemdepressionen zur Folge haben. Die häufigste Ursache an Raves oder Parties für durch Drogenkonsum bedingte Einlieferungen von Partyteilnehmern in Krankenhäuser ist die kombinierte Einnahme von Alkohol und GHB. Patienten, die wegen des Mischkonsums von Alkohol und GHB in Krankenhäuser eingeliefert werden, müssen dort immer sofort in der Intensivstation betreut werden.

 

GHB und LSD

Die Kombination von GHB mit LSD scheint gut verträglich zu sein und wird von zahlreichen Konsumenten als angenehm und lustvoll beschrieben. Die besten Erfahrungen machten die Konsumenten, wenn sie das GHB erst nach der höchsten Entfaltung der LSD-Wirkung, also zwei bis drei Stunden nach dem Beginn der LSD-Wirkung eingenommen hatten. Der LSD-Trip wird durch die Zugabe von GHB in dieser Phase "weicher" und gefühlvoller, die Wahrnehmung noch plastischer und intensiver. Der Liebesdrang ist dann oft stark gesteigert und die Lust und Fähigkeit zum lang andauernden Sex meistens deutlich erhöht. Auch eine Einnahme von GHB in der Ausklangsphase der LSD-Wirkung ist recht beliebt, vor allem nach intensivem Sex während der LSD-Wirkung. In diesem Fall wirkt GHB eher wie eine Kuschel-Droge und sollte eher niedrig dosiert werden. Zudem fällt dann das Einschlafen nach dem LSD-Erlebnis leichter, die Gedanken kreisen nicht mehr so intensiv im Kopf herum und man fühlt sich entspannter.

 

GHB und Ecstasy

GHB und Ecstasy sollten möglichst nicht gleichzeitig eingenommen werden, da diese Kombination recht häufig heftigen Brechreiz und körperliches Unwohlsein auslöst. Zudem lösen GHB und Ecstasy gegensätzliche chemische Vorgänge im Zentralnervensystem aus: GHB aktiviert die Tryptophan-Hydroxylase (Enzym, das die Bildung von Tryptophan fördert respektive katalysiert) und Ecstasy hemmt die Tryptonphan-Hydroxylase.

 

GHB und Ketamin

GHB und Ketamin sollten nicht gleichzeitig eingenommen werden, da die Wirkungsprofile sich nicht gut ergänzen, weil GHB die körperliche Empfindsamkeit steigert, Ketamin in höheren Dosierungen hingegen die körperliche Empfindsamkeit mindert respektive betäubt. Ein abwechselnder Konsum von GHB und Ketamin (mit mehr oder weniger langen Zwischenpausen) wird von einigen erfahrenen Psychonautikern als recht reizvoll beschrieben. Es sei hier aber nachdrücklich darauf hinzuweisen, betonen Psychonautiker, die solche Experimente genießen, dass eine stabile Grundkonstitution sowohl in physischer als auch in psychischer Hinsicht eine absolut notwendige Voraussetzung für solche psychonautische Wechselbäder ist.



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