Fachinformation: Ecstasy – Mischkonsum
[Entaktogene Amphetaminderivate]

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8. Hinweise zur Dosierung

Die Wirkstoffmenge von Ecstasy (MDMA, MDE und MBDB) wird manchmal als freie Base und manchmal als Hydrochlorid (Hcl-Salz) angegeben. Die meisten Phenylalkylamine wie MDMA, MDE und MBDB werden jedoch als HCl-Salz auf den Markt gebracht, da das freie Amin meistens nicht wasserlöslich ist und zudem einer schnelleren Zersetzung unterliegt. In den Pillenlisten von Eve & Rave Berlin 25 * sind die Wirkstoffmenge jeweils als Hydrochlorid angegeben, in den Pillenlisten von Eve & Rave Schweiz 26 * sind ebenfalls die Werte als Hydrochlorid angegeben. Es gelten folgende Umrechnungsfaktoren:

 
100 Milligramm MDMA-Base   entsprechen 118,9 Milligramm MDMA-HCL
100 Milligramm MDE-Base   entsprechen 117,6 Milligramm MDE-HCL
100 Milligramm MBDB-Base   entsprechen 117,6 Milligramm MBDB-HCL
84 Milligramm MDMA-Base   entsprechen 100 Milligramm MDMA-HCL
85 Milligramm MDE-Base   entsprechen 100 Milligramm MDE-HCL
85 Milligramm MBDB-Base   entsprechen 100 Milligramm MBDB-HCL

Dosierungen bezüglich Ecstasy werden in der Literatur fast durchgehend als Hydrochlorid angegeben. Als Faustregel gilt bei MDMA ein oberer Grenzwert von 1,5 Milligramm pro Kilo Körpergewicht, bei MDE ein solcher von 1,75 Milligramm und bei MBDB ein solcher von 2,0 Milligramm pro Kilo Körpergewicht. Je nach Konstitution und Gewöhnung des Konsumenten kann eine Überschreitung dieser Grenzwerte zu einer Überdosierung mit unangenehmen Folgen für die Befindlichkeit führen. Die in der Regel zu angenehmen Empfindungen führenden Dosierungen liegen etwa 20 Prozent unterhalb dieser Grenzwerte. Bei Konsum von Ecstasy sind auch bei Einhaltung der Angaben zur Dosierung Risiken und Nebenwirkungen nicht gänzlich auszuschließen, dies gilt insbesondere bei Mischkonsum. In der folgenden Tabelle sind die oberen Grenzwerte zur Dosierung von MDMA, MDE und MBDB in Relation zum Körpergewicht aufgelistet.

 
Körpergewicht MDMA MDE MBDB
50 Kg 75 mg 87 mg 100 mg
60 Kg 90 mg 105 mg 120 mg
70 Kg 105 mg 122 mg 140 mg
80 Kg 120 mg 140 mg 160 mg
90 Kg 135 mg 157 mg 180 mg
100 Kg 150 mg 175 mg 200 mg

 


9. Safer Use

Minimalregeln zur Risikovermeidung für Ecstasy-User 27 *

  • Man sollte seine Pillen oder sein Pulver vor dem Konsum anonym im Labor testen lassen, damit man weiß, was für einen Stoff man hat.

  • Grundsätzlich gilt: Drogen gering dosieren und nicht beliebig kombinieren. Das heißt beispielsweise, zu Ecstasy kein Speed nehmen und möglichst wenig Alkohol trinken.

  • Bei Ecstasy-Gebrauch auf Tanzparties regelmäßig (Mineral-)Wasser, milde Säfte oder auch Tee trinken, damit man durch seinen erhöhten Flüssigkeitsverbrauch nicht austrocknet.

  • Beim Dauertanzen auf Ecstasy sollte man Pausen zum Frischlufttanken einlegen, damit man keinen Hitzschlag erleidet. Dabei sollte man sich vor Zugluft schützen.

  • Hat man eine Toleranz gegenüber der ach so geschätzten Ecstasy-Wirkung entwickelt, sollte man eine Pillenpause von mindestens einem Monat einlegen.

  • Mehr als zwei gut dosierte Ecstasy-Pillen an einem Wochenende zu nehmen ist nutzlos, da die körpereigene Neurochemie nicht adäquat reagieren kann und man Zeit zur Serotoninproduktion braucht, bis man wieder voll auf Ecstasy abfahren kann.

  • Wenn man beabsichtigt, Ausbildung oder Beruf hinzuschmeißen, sollte man vorher mit anderen darüber sprechen und für einige Wochen Abstand von seinem Partyleben gewinnen (auch wenn das verdammt schwer fällt), um über sich, sein Leben und seine Zukunft in Ruhe nachdenken zu können.

 

10. Mischkonsum

Die Kombination zweier oder mehrerer psychoaktiver Substanzen innerhalb einer kurzen Zeitspanne oder über den Zeitraum einer Nacht verteilt, kann sehr reizvoll, anregend und kommunikativ sein. Sie kann aber ebenso zu einer besonders starken Belastungsprobe für Körper und Psyche werden und erhöht somit vor allem für unerfahrene Drogengebraucher die Gefahr unangenehmer Zwischenfälle. Darum sollte man zuvor genau überlegen, was man sich vom gleichzeitigen Konsum mehrerer psychoaktiver Substanzen unterschiedlicher Wirkungsart erhofft, und ob die Effekte, die man für sich erwartet, das Risiko, das man dabei eingeht, rechtfertigen. Die Wirkung, die eine Kombination zweier oder mehrerer Substanzen auslösen kann, ist nicht immer im Voraus einschätzbar und entspricht in der Regel nicht der Summe der Einzelwirkungen aller eingenommenen Substanzen. Wenn man also trotz gesundheitlicher Risiken und strafrechtlicher Gefahren mehr als nur eine oder zwei Substanzen an einem Abend einnimmt, sollten möglichst – nicht nur aus Sicherheitsgründen – ein paar Freunde oder Bekannte wissen, was für Substanzen man genommen hat. Bei einem Notfall können die Freunde dem Drogengebraucher durch diese Information nicht nur schneller und effizienter helfen, sondern sich auch ganz allgemein besser auf ihn einstimmen und gewisse Dinge gemeinsam mit ihm erleben und genießen, die sonst sowohl ihnen wie auch ihm vielleicht unerreichbar geblieben wären.

Wenn auf einer Party zahlreiche Besucher völlig verschiedene Kombinationen diverser psychoaktiver Substanzen konsumieren, dann sind diese Besucher in der Folge ihrer voneinander abweichenden Konsummuster sehr unterschiedlich drauf. Dadurch wird das Entstehen eines Gemeinschaftsgefühls bei den Gästen dieser Party erschwert oder gänzlich verhindert. Parties, deren Gäste mehrheitlich unterschiedlichen Konsummustern huldigen, sind deshalb kaum geeignet, die Partykultur essenziell zu bereichern oder das Entstehen von "Partyfamilien" zu fördern. Demgegenüber sind Parties, deren Gäste mehrheitlich ähnliche oder nahezu gleiche Konsumgepflogenheiten praktizieren, oft von einem starken Gemeinschaftsgefühl geprägt. Die Geborgenheit in einer solchen Gemeinschaft ist eine gute Voraussetzung, um sich beim Feiern in die vollkommene Ekstase hineinzutanzen. Ekstasen dieser Art sind die Würze der Partykultur und das Bindemittel der "Partyfamilien". Dies gilt zumindest, wenn hauptsächlich psychedelische und/oder entaktogene Substanzen eingenommen werden.

Der Mischkonsum von Drogen ist weit verbreitet. Jeder Bürger, der zum Morgenkaffee eine oder mehrere Zigaretten raucht, betreibt bereits gleich nach dem Aufstehen Mischkonsum von Drogen. Geschäftsleute, die im Restaurant nach dem Essen zum Espresso einen Schnaps und eine Zigarette genießen, betreiben Mischkonsum, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst sind. Mischkonsum ist, selbst wenn er unbewusst genossen wird, bei weitem nicht immer ein "hartes Konsummuster" und selbst noch so abstruse Behauptungen gewisser "Drogenberater" in dieser Richtung werden an dieser Tatsache nichts ändern.

Eine Drogenkultur in der vorzugsweise der Genuss von Drogen im Bewusstsein erfolgt, dass die Droge nicht nur ein Genussmittel ist, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein Mittel zum Genuss oder zur Steigerung der Genussfähigkeit, ist sicherlich einer Drogenkultur vorzuziehen, in der die Genussmittel ohne das Bewusstsein ihrer psychoaktiver Wirkung konsumiert werden. Ein bewusster, kontrollierter und souveräner genussorientierter Drogenkonsum muss Schritt für Schritt erlernt werden. Grundlegend für einen solchen Lernprozess sind in erster Linie sachliche Informationen bezüglich angemessener Applikationstechniken (Arten der Einnahmemöglichkeiten), bezüglich verträglicher Dosierungen und Kombinationen sowie bezüglich unproblematischer Konsumsituationen und günstiger Bedingungen zum interaktiven Genuss der Rauschwirkung. Ziel eines solchen Lernprozesses ist Drogenkompetenz.

Drogenkompetenz erlangt man nicht nur durch Aneignung von Fachwissen über die Wirkungsweisen verschiedener Substanzen, sondern vor allem durch die Einbindung dieses Wissens in die Gestaltung der eigenen Konsummuster zur Heraus- und Weiterbildung der individuellen Genusskultur. Ohne diesen Lernprozess und ohne ausgeprägte Kultur des Genießens, das heißt ohne Drogenkompetenz, ist ein unproblematischer Konsum verschiedener psychoaktiver Substanzen auf Dauer kaum oder gar nicht realisierbar. Der erste Schritt zur Erlangung von Drogenkompetenz ist die Aneignung von Wissen.

Wissenswertes bezüglich der Gestaltung ausgewählter Arten des Mischkonsums zwecks Optimierung der Qualität und Intensität des Genusserlebnisses kann in den hier folgenden Aufzeichnungen entdeckt werden. 28 *

 

Ecstasy (MDMA) und Speed (Amphetamin)

Der gleichzeitige Konsum von MDMA und Amphetamin wird in der Technoszene häufig praktiziert, obwohl dies eigentlich unsinnig ist, da gemäß empirischer Erfahrung das Amphetamin die subtile empathische Wirkung von MDMA deutlich mindert. Demzufolge sollten die Substanzen nicht gleichzeitig, sondern zeitlich um ein paar Stunden versetzt eingenommen werden. Da Amphetamin die Wirkung von MDMA weit mehr beeinträchtigt als letzteres die Wirkung von Amphetamin, sollte vor der Einnahme von MDMA wie auch während der Wirkungsentfaltung von MDMA kein Amphetamin konsumiert werden. Nur wer zuerst MDMA und erst nach dem Abflauen der Ecstasy-Wirkung die erste Portion Amphetamin konsumiert, kommt in den Genuss der vollen Entfaltung der entaktogenen und empathischen Wirkung der Substanz MDMA wie auch der anregenden Wirkung des Amphetamins.

Die Einnahme von MDMA bewirkt im Gehirn gemäß wissenschaftlichen Untersuchungen eine Abnahme bestimmter EEG-Frequenzmuster im Alpha-Wellenbereich (8,5 Hz bis 12 Hz) und Amphetamin bewirkt dagegen im Gehirn eine Zunahme der gleichen EEG-Frequenzmuster. 29 * Die gleichzeitige Einnahme von MDMA und Amphetamin setzt somit im Gehirn zwei Reaktionsmuster in Gang, die sich gegenseitig aufheben.

Eine wiederholte gleichzeitige Einnahme von MDMA und Amphetamin über einen längeren Zeitraum hinweg belastet das serotonerge System (die Serotonin ausschüttende Nervenzellen) so stark, dass die Wahrscheinlichkeit einer länger anhaltenden Schädigung dieses Systems als hoch eingeschätzt werden muss. Je größer die Häufigkeit der gleichzeitigen Einnahme von MDMA und Amphetamin ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung des besagten Systems im Gehirn. Neuesten Untersuchungen zufolge findet nach längerer Konsumpause eine Regeneration dieses Systems statt. Ob die Regeneration allerdings die volle Funktionsfähigkeit der geschädigten serotonergen Nervenzellen wiederherstellt, ist wissenschaftlich noch nicht erwiesen. Der gelegentliche und alleinige Konsum von MDMA oder Amphetamin scheint demgegenüber kaum eine Schädigung dieses Systems zu verursachen. 30 *

Eine von einigen Wissenschaftlern beobachtete Folge der Schädigung des Nervensystems durch Dauerkonsum von Ecstasy und Amphetamin ist eine Beeinträchtigung des Gedächtnisses, insbesondere des Kurzzeitgedächtnisses und des Wortgedächtnisses. Letzteres beeinträchtigt in der Folge auch die Wortgewandtheit und somit die verbale Ausdrucksfähigkeit. Durch diese Feststellung soll jedoch nicht der Eindruck suggeriert werden, dass der durchschnittliche Ecstasy-Konsument (der im Allgemeinen Mischkonsum betreibt) kognitive Einschränkungen oder andere Leistungsdefizite in klinisch relevantem Ausmaß aufweist. Solche ausgeprägten Fälle sind die Ausnahme und werden dementsprechend als Fallberichte in der Fachliteratur mitgeteilt. Üblicherweise erscheinen selbst starke Konsumenten auf den ersten Blick unauffällig, und nehmen sie selbst ebenfalls überwiegend keine Alltagsdefizite wahr. 31 *

 

Ecstasy (MDMA) und Crystal (Methamphetamin)

Nach einmaligem Konsum von Methamphetamin sollte man auf jeden Fall mindestens zwei oder drei Tage vor dem Genuss von MDMA verstreichen lassen, nach längeren Konsumphasen mindestens eine ganze Woche, da man sonst gemäß empirischer Erfahrung die typische MDMA-Wirkung kaum zu spüren bekommt. Konsumenten, die über einen sehr langen Zeitraum hinweg regelmäßig Methamphetamin eingenommen und sich an die Substanz gewöhnt haben, brauchen eigentlich kein MDMA zu nehmen, da unter diesen Umständen das MDMA seine Wirkung kaum noch entfalten kann und die Konsumenten nur einen schwachen Abglanz der erwünschten MDMA-Wirkung verspüren können. Erst nach drei oder mehr Wochen Konsumpause hat sich der Körper wieder soweit regeneriert, dass eine MDMA-Einnahme mit einem echten Genuss in Verbindung gebracht werden kann.

 

Ecstasy (MDMA) und LSD

LSD hat eine ähnliche Molekularstruktur wie der körpereigene Neurotransmitter Serotonin. LSD und einige Serotoninrezeptoren sind miteinander kompatibel, so dass LSD an diese Rezeptoren andocken kann. Die Besetzung dieser Rezeptoren durch LSD-Moleküle vermittelt dem zentralen Nervensystem eine ähnlich strukturierte Botschaft wie nach einer erhöhten Serotoninausschüttung, ohne dass dabei auf die körpereigenen Vorräte zurückgegriffen werden muss. Da LSD ohne Verbrauch von Serotonin eine erhöhte Aktivität auf der Rezeptorseite des serotonergen Systems bewirkt, kann LSD auch ein Wirkungspotenzial entfalten, wenn die körpereigenen Reserven bereits weitgehend aufgebraucht sind, zum Beispiel nach exzessivem MDMA-Konsum. Der Wirkmechanismus auf der pharmakologischen Ebene, der durch eine LSD-Einnahme eingeleitet wird, funktioniert somit auch nach dem Genuss von MDMA. Da LSD den Verbrauch von körpereigenen Serotoninreserven nicht stimuliert, kann nach dem Konsum von LSD auch MDMA, MDE oder MBDB eingenommen werden, ohne dass mit einer Einschränkung der Wirkungsentfaltung gerechnet werden muss. Ecstasy und LSD sind miteinander kompatibel.

LSD und MDMA werden oft zusammen konsumiert. Besonders beliebt sind Bowlen, die an privaten Parties dargereicht werden und beide Wirkstoffe enthalten (50 Mikrogramm LSD und 50 Milligramm MDMA pro Person). Diese Wirkstoffkombination ist im Allgemeinen gut verträglich, es kommt so gut wie nie zu irgendwelchen Problemsituationen. Hier zeigt sich, dass LSD eher die Wirkung von MDMA verstärkt als umgekehrt. Die empathischen Gefühle werden klarer und tiefer empfunden als bei MDMA alleine. Anderseits verliert MDMA in dieser Kombination etwas von seiner alles einlullenden emotionalen Weichspülerfunktion. Das heißt, die Fähigkeiten zur kritischen Auseinandersetzung und klaren Einordnung der Gefühlswelten sind weit besser ausgeprägt als nach dem alleinigen Konsum von MDMA.

MDMA wird von vielen gerne nach einem LSD-Trip genommen, besonders wenn man auf Trip lang andauernden Sex hatte. Dann hat MDMA die Funktion einer Entspannungs- und Kuscheldroge. Vor allem auf Parties im Freien wird zum Höhepunkt der Party gerne LSD und zum Chill-Out MDMA genommen. Auch hier erfüllt MDMA die Funktion einer Entspannungsdroge. Die Landung nach dem LSD-Trip ist auf diese Weise im Allgemeinen von besonders zarten Empfindungen und sanften Gefühlen geprägt.

 

Ecstasy (MDMA) und Fluoxetin

Fluoxetin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Fluoxetin bewirkt eine Erhöhung des Serotonin-Spiegels an den Schaltstellen der Signalübertragung zwischen den Nervenzellen im Gehirn, indem die Zurückbeförderung des Botenstoffes Serotonins in die Speicherplätze nach erfolgter Signalübertragung gehemmt und somit weitgehend verhindert wird. MDMA bewirkt ebenfalls eine Erhöhung des Serotonin-Spiegels an besagten Stellen im Gehirn, jedoch vorzugsweise durch eine vermehrte Ausschüttung des Botenstoffes.

Fluoxetin ist in den USA unter dem Markennamen Prozac® bekannt geworden. Es wird in Deutschland unter den Namen Fluctin®, Fluneurin®, Fluoxetin-ratiopharm®, Fluxet® und in der Schweiz unter den Namen Fluctine®, Fluocim®, Fluoxifan® und Flusol® als verschreibungspflichtiges Medikament in Apotheken verkauft.

Da Fluoxetin und MDMA auf unterschiedliche Weise den Serotonin-Spiegel erhöhen, dachten einige MDMA-Konsumenten, man könne mit der Kombination der beiden Substanzen den Wirkungsgrad auf ein höheres Niveau heben. Experimente von Drogenkonsumenten in der Szene zeigten jedoch bald, dass dem nicht so ist. Die gleichzeitige Einnahme von Fluoxetin und MDMA bewirkt weder eine Verstärkung noch eine Verlängerung, sondern eine Abschwächung der MDMA-Wirkung. Die Phase des Abklingens der MDMA-Wirkung kann jedoch durch die Einnahme von 20 Milligramm Fluoxetin (vier bis fünf Stunden nach der MDMA-Einnahme) etwas angenehmer und weicher ausfallen. Dies gilt besonders, wenn man zeitlich versetzt mehrere Ecstasy-Pillen konsumiert hat oder wenn die Dosis überdurchschnittlich hoch war.

Ecstasy vermittelt den allermeisten Konsumenten für ein paar Stunden immer wieder aufs Neue sehr intensive Glücksgefühle. Doch die Glückspille bereitet einigen Konsumenten nach der segensreichen Phase, besonders nach mehrfacher Einnahme, mehr Kummer als Freude. Diese Konsumenten fühlen sich nicht nur direkt nach dem Abklingen der berauschenden Wirkung, sondern auch am folgenden Tage, ausgelaugt und deprimiert. Fluoxetin kann diese unangenehmen Nebenwirkungen lindern.

 

Ecstasy (MDMA) und Ketamin

Ecstasy ist eine Gefühlsdroge und fühlt sich meistens wunderbar aufheiternd an. Viele Konsumenten berichten, dass sie sich energetisch und emotional geöffnet und liebevoll fühlen. Die meisten Ecstasy-Konsumenten berichten, dass ihre erste Erfahrung mit der Substanz absolut himmlisch war und einen starken Eindruck hinterließ. Die darauf folgenden Erfahrungen sind zumeist immer noch angenehm, können aber mit der ersten Initiation nicht standhalten. Dauerhafte und wohltuende Erfahrungen resultieren in den meisten Fällen bei den späteren Ecstasy-Einnahmen aus einer tiefen Verbundenheit mit anderen Personen. 32 * Bei kleinen Ketamin-Dosierungen um 20 bis 25 Milligramm nach der Ecstasy-Einnahme bleibt das Gefühl der eigenen Identität, der Erinnerung und vor allem der Fähigkeit, das physische Umfeld wahrzunehmen und damit zu interagieren, erhalten, was bei Dosierungen von mehr als 100 Milligramm im Allgemeinen bei den meisten Konsumenten nicht mehr der Fall ist.

Geringe Ketamin-Dosierungen bis zu 25 Milligramm verleihen der Ecstasy-Wirkung mehr Farbe, ergänzen sie durch mehr bildhafte Visionen (manchmal leichte Halluzinationen) und bereichern sie vor allem durch mehr Assoziationen, das heißt durch mehr Verknüpfungen aus Erinnerungen, Phantasievorstellungen und archetypischen Eigenheiten mit der aktuell gegebenen Situation sowie mit den aktuell sinnlich wahrgenommenen Eindrücken. Eine geringe Ketamin-Dosierung zu Ecstasy wird von den allermeisten Konsumenten als angenehm, wohltuend und bereichernd beschrieben. Zudem wird durch diese Kombination oft die Erinnerung an die erste Ecstasy-Initiation wieder wachgerufen, was ein Vergleich mit späteren Ecstasy-Erfahrungen ermöglicht und verschiedenen Erfahrungsberichten zufolge eine vertiefte Reflexion auf die eigenen Reaktionsmuster auf die Substanz MDMA begünstigen soll.

Hohe Ketamin-Dosierungen brechen die Kontinuität der gewohnten sinnlichen Wahrnehmungen abrupt ab, kappen mehr oder weniger den Bezug zur physischen Außenwelt. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf eine virtuelle und dabei doch völlig real erlebbare Hyperwelt. Das Wirkungsprofil von Ketamin in hohen Dosierungen steht diametral dem Wirkungsprofil von Ecstasy gegenüber. Ecstasy verstärkt die Kontinuität sinnlicher Wahrnehmungen, intensiviert den Bezug zur physischen Außenwelt (Körperkontakt) und lenkt die Aufmerksamkeit auf die real existierende Umgebung. Die Gegensätzlichkeit der beiden Wirkungsprofile lässt sich nicht auf einen Nenner bringen, so dass die meisten Konsumenten, die Erfahrungen mit Ecstasy in Kombination mit hohen Ketamin-Dosierungen machten, vehement von dieser Kombination abraten. Hingegen scheint Ketamin in hohen Dosierungen in der Ausklangsphase der Ecstasy-Wirkung weitaus bekömmlicher zu sein. Die unter der Ecstasy-Wirkung frisch erlebten sinnlichen Wahrnehmungen gliedern sich dann nahtlos in den Kreislauf der Bilder und Wahrnehmungen des psychedelischen Universums ein, das durch Ketamin offenbart wird.

 

Ecstasy (MDMA) und GHB

GHB und Ecstasy sollten möglichst nicht gleichzeitig eingenommen werden, da diese Kombination recht häufig heftigen Brechreiz und körperliches Unwohlsein auslöst. Zudem lösen GHB und Ecstasy gegensätzliche Reaktionen im Zentralnervensystem aus: GHB aktiviert die Tryptophan-Hydroxylase (Enzym, das die Bildung von Tryptophan fördert respektive katalysiert) und Ecstasy hemmt die Tryptophan-Hydroxylase. 33 *

Vergleiche hierzu: Redaktion Webteam www.eve-rave.net Berlin: Pressemitteilung vom 31. August 2006 zum Drogenmischkonsum: Drogenmischkonsum – Konsumhäufigkeiten und Konsumbewertungen

Drogenmischkonsum, das heißt die zeitgleiche oder zeitnahe Einnahme verschiedener Drogen, ist heute bei der Mehrheit der Drogengebraucher eine übliche Praxis. Doch nur eine kleine Minderheit dieser Drogengebraucher verfügt über ein fundiertes Wissen bezüglich der Wirkungen und Nebenwirkungen der eingenommenen Substanzkombinationen. Bei der großen Mehrheit der Drogengebraucher herrscht diesbezüglich ein großes Informationsdefizit. Dem kann man nur mit präzisen Informationen entgegenwirken. Deshalb werden in dieser Pressemitteilung die Ergebnisse von zwei großen Partydrogen-Umfragen in der Schweiz und einer mehrjährigen Studie zum Drogenmischkonsum, die in Deutschland durchgeführt wurde, vorgestellt. Dabei werden nicht nur die Prävalenzen und Konsumbewertungen systematisch aufgeschlüsselt, analysiert und in vergleichender Weise dargestellt, sondern auch Hinweise zur Schadensminderung beim Konsum wie auch zur Erlangung von mehr Drogenkompetenz und Drogenmündigkeit gegeben.
http://www.eve-rave.net/abfahrer/presse/presse06-08-31.html

Anmerkung: Die Anfragen bei www.eve-rave.net nach der Substanz Ecstasy (ohne Anfragen nach MDMA) lauteten im Zeitraum Januar bis August 2007 wie folgt: Ecstasy (60%), Extasy (19%), XTC (11%), Extacy (5%), Ectasy (2,5%), Exstasy (0,9%), Ecstacy (0,8%), Exctasy (0,5%), Ecxtasy (0,3%). Offensichtlich informieren sich zahlreiche Leute im Internet, die in Sachen Rechtschreibung mangelhafte Kenntnisse haben – aber einen Computer bedienen können und Suchmaschinen richtig benutzen können – und vor allem Drogenkompetenz erlangen wollen! 34 *



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25
Pillenlisten von Eve & Rave Berlin
http://www.eve-rave.net/abfahrer/download.sp?cat=1
26
Pillenliste von Eve & Rave Schweiz http://www.eve-rave.ch/drugchecking-resultate
27
Einige dieser Hinweise sind der Broschüre "DRUGS – die Partydrogeninfo!" entnommen. Eve & Rave Schweiz, Eve & Rave e.V. Berlin, FASD BRR URD Fribourg: DRUGS – die Partydrogeninfo! Alles was Du schon immer über Partydrogen wissen wolltest und noch nie ehrlich beantwortet wurde..., Fribourg und Solothurn 2001, S. 14
http://www.eve-rave.net/abfahrer/download/eve-rave/bericht108.pdf
28
Im Zeitraum von 1994 bis 2004 hat Eve & Rave Berlin an gut 400 Veranstaltungen Drogeninformationsstände eingerichtet und betreut, zum Teil in eigens dafür speziell eingerichteten Chill-Out-Bereichen mit vielen Sitzgelegenheiten, so dass richtige Gesprächsrunden unter Drogenkonsumenten im Beisein von Mitarbeitern von Eve & Rave entstanden. Dabei wurden viele standardisierte Interviews geführt und Gesprächsnotizen angefertigt (etwa 3.500 an der Zahl). Diese Notizen sind die empirische Grundlage der hier angegebenen Fakten zu den in der Szene gängigsten Mischkonsummuster und den dabei beobachteten Erfahrungswerten.

Weitere detaillierte Beschreibungen von Effekten, die durch den Konsum verschiedener Drogenmischungen ausgelöst wurden, sind in Form von kurzen Erlebnisberichten mit kritischen Anmerkungen in dem Bericht "Techno – Eine neue Kultur mit alten Traditionen" oder "Vom Urkult zur Kultur – Drogen und Techno" von Hans Cousto nachzulesen.

http://www.eve-rave.net/abfahrer/download/eve-rave/techno.pdf
29
F.X. Vollenweider, E. Frei, A. Gamma (2000): Lokalisation MDMA-induzierter hirnelektrischer Aktivität bei gesunden Probanden mittels Low Resolution Brain Electromagnetic Tomography (LORETA), in: Suchtforschung des BAG, Band 1, Bern, S. 8-14
30
Buchert, Ralph; Thomasius, Rainer; Nebling, Bruno; Petersen, Kay; Obrocki, Jost; Jenicke, Lars; Wilke, Florian; Wartberg, Lutz; Zapletavola, Pavlina; Clausen, Malte: Long-Term Effects of "Ecstasy" Use on Serotonin Transporters of the Brain Investigated by PET, in J. Nucl. Med. 2003, Nr. 44, S. 375-384
31
Gouzoulis-Mayfrank, E.; Daumann, J.; Saß, H.: Neurotoxische Langzeitschäden bei Ecstasy (MDMA)-Konsumenten – Überblick über den aktuellen Wissenstand, in: Der Nervenarzt 5•2002 Nr. 73 S. 405-421
32
D.M. Turner (1994): The Essential Psychedelic Guide, San Francisco, S. 42. Die deutschsprachige Ausgabe ist 1997 im Nachtschatten Verlag in Solothurn unter dem Titel "Der psychedelische Reiseführer" erschienen.
33
Christian J. Teter and Sally K. Guthrie (2001) A Comprehensive Review of MDMA and GHB: Two Common Club Drugs. Pharmacotherapy: Volume 21, Issue , pp. 1486-1513.

O'shea, E., Orio, L., Escobedo, I., Sanchez, V., Camarero, J., Green, A. R. and Colado, M. I. (2006), MDMA-induced neurotoxicity: long-term effects on 5-HT biosynthesis and the influence of ambient temperature. British Journal of Pharmacology, 148: 778–785. doi: 10.1038/sj.bjp.0706783

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1038/sj.bjp.0706783/full

Gobaille S, Schleef C, Hechler V, Viry S, Aunis D, Maitre M.: Gamma-hydroxybutyrate increases tryptophan availability and potentiates serotonin turnover in rat brain, Life Sci 2002 Mar 22;70(18):2101-12

http://biopsychiatry.com/ghb.html
34
Redaktion Webteam www.eve-rave.net Berlin: Pressemitteilung vom 28. September 2007 zur Nutzung von Drogeninformationen: Informationsverhalten von Nutzern im Internet
http://www.eve-rave.net/abfahrer/presse/presse07-09-28.html