J. Gölz (1999): Folgeerkrankungen des intravenösen Drogenkonsums. Behandlung der somatischen Begleiterkrankungen, in J. Gölz: Moderne Suchtmedizin, Stuttgart und New York, Abschnitt: C 4.2.2

K. Kreth, K. Kovar, M. Schwab, U.M. Zanger (2000): Identification of the human cytochromes P 450 involved in the oxidative metabolism of 'Ecstasy'-related designer drugs, in Biochem Pharmacol 2000 Jun 15;59 (12) 1563-71

G.N. Kumar, A.D. Rodrigues, A.M. Buko, J.F. Denissen (1996): Cytochrom P 450-mediated metabolism of the HIV-1 protease inhibitor ritonavir (ABT-538) in human liver microsomes, in: J Pharmacol Exp Ther 1996 Jun; 281(3): 1506

Vergleiche: Antwort des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zur Frage 5 der kleinen parlamentarischen Anfrage zu Ecstasy, eingebracht am 3. Dezember 1999 von Hubert Hüppe, MdB, Beauftragter für Drogenpolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Wolfgang Lohmann, MdB, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und der Fraktion der CDU/CSU:

"Wie beurteilt die Bundesregierung die Gefahr von Wechselwirkungen von Ecstasy (MDMA) mit anderen Wirkstoffen wie etwa Medikamenten, die gravierende Gesundheitsschädigungen oder Lebensgefahr verursachen können (J.A. Henry, I.R. Hill, Fatal Interaction between ritonavir and MDMA, Lancet Vol. 352, Number 9142)?"

Antwort (des BfArM): "MDMA und andere Amphetaminderivate werden über ein Leberenzymsystem (Cytochrom P450, Isoenzyme CYP2D6 und CYP3A4) verstoffwechselt. Dieses Enzymsystem ist ebenfalls für die Verstoffwechslung zahlreicher Arzneistoffe verantwortlich. Das Auftreten von Wechselwirkungen zwischen Stoffen, die über das selbe Enzymsystem abgebaut werden, ist in der Medizin ein bekanntes Phänomen.

In dem o.g. Fallbericht von Henry et al. wurde Ritonavir – ein Proteasehemmer zur Behandlung der HIVInfektion – mit MDMA kombiniert. Es kam zu einer fatalen Erhöhung der MDMA-Plasmaspiegel. Ritonavir ist ein Arzneistoff, der zu einer Hemmung des Isoenzyms CYP2D6 führen kann. Da das Isoenzym CYP2D6 verantwortlich ist für den Hauptstoffwechselschritt des MDMA-Abbaus (Demethylenierung) erscheint die ursächliche Beteiligung des Ritonavirs an der Erhöhung der MDMA-Plasmaspiegel plausibel.

Eine weitere Veröffentlichung berichtet von einer verlängerten Wirkung von MDMA bei einem Ritonavirbehandelten Patient, für den allerdings keine MDMA-Plasmaspiegel bekannt sind (Harrington R.D. et al.). Bei der Bewertung des in der Frage angesprochenen Falls müssen drei weitere mögliche Ursachen für die hohen MDMA-Plasmaspiegel in Betracht gezogen werden:

  1. Eine vorbestehende alkoholbedingte Leberfunktionsstörung.

  2. Ein möglicherweise vorliegender erblicher "poor metabolism": Für das am MDMA-Abbau wesentlich verantwortliche Isoenzym CYP2D6 ist ein genetischer Polymorphismus bekannt. Etwa 7 Prozent der kaukasischen Bevölkerung sind so genannte "poor metabolizer", bei denen es theoretisch durch eingeschränkte Verstoffwechslung zu einem Anstau von Ecstasy und damit zu akut toxischen Nebenwirkungen kommen könnte. Die fatale Reaktion wäre also auch erklärlich durch eine erblich bedingte Verstoffwechslungsschwäche. Da nicht bekannt ist, ob der Patient ein sog. "poor metabolizer" war, ist die Ursache der tödlich verlaufenen Reaktion im nachhinein nicht mehr vollständig zu klären.

  3. Für MDMA wird eine nichtlineare Pharmakokinetik angenommen (siehe Torre R.). Das bedeutet, daß kleine zusätzliche Wirkstoffgaben (in diesem Fall eine halbe zusätzliche MDMA-Tabtette, nachdem zwei ganze Tabletten vorher ohne die gewünschte Wirkung blieben) zu verhältnismäßig großen Veränderungen des Plasmaspiegels führen.

Möglicherweise hat in dem nachgefragten Fall gerade ein Zusammentreffen mehrerer prädisponierender Faktoren zu dem fatalen Verlauf geführt. Generell sind die Interaktionen zwischen Arzneistoffen zur Behandlung der HIV-Infektion und den verschiedenen illegalen Drogen sehr komplex und auf der schmalen Basis des derzeitigen Wissens um die Pharmakokinetik und deren beeinflussende Faktoren nicht vorherzusagen. Die gleichzeitige Einnahme kann unter Umständen gefährlich sein.

Harrington R.D., Woodward J.A., Hooton T.M., Horn J.R. (1999): Life Threatening Interactions Between HIV-1 Protease Inhibitors and the Illicit Drugs MDMA and garnma-Hydroxybutyrate, Arch. Intern. Med., Vol. 159: 2221-2223"

https://www.eve-rave.net/download.sp?file=bt_drs_14_2392

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